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Studierende der TU Darmstadt forschen zum DP-Camp Zeilsheim

Vier Studierende der Technischen Universität Darmstadt in Bad Arolsen haben eine Woche beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen über das Lager für jüdische Displaced Persons in Zeilsheim bei Frankfurt am Main recherchiert. „Mich interessiert das Thema DPs, da der Unterricht in der Schule häufig nur die Geschichte bis zum Kriegsende betrachtet“, sagte Studentin Serpil Aygün.

Die Nachforschungen von Aygün, Lennart Bartelheimer, Anita Gallo und Linda Körner sind ein Nachfolgeprojekt zu einer bereits 2007 an der TU Darmstadt entstandenen virtuellen Ausstellung über das DP-Camp Zeilsheim. Das Projekt war seinerzeit von Dr. Susanne Urban betreut worden, die inzwischen den Bereich Forschung beim ITS leitet. Jetzt sollen auch die beim ITS vorhandenen Dokumente mit einbezogen werden und vor allem Einzelbiografien aufgearbeitet werden. „Wir möchten junge Wissenschaftler auf das Thema neugierig machen“, so Urban. „Jüdische Displaced Persons entwickelten nach dem Holocaust einen ungeheuren Lebenswillen – ein eindrucksvolles Kapitel jüdischer Nachkriegsgeschichte.“

Im DP Lager Zeilsheim waren bis zu dessen Auflösung im November 1948 zeitweise bis zu 3400 Juden untergebracht, mehrheitlich Überlebende aus Konzentrationslagern in Polen. Das Lager stand weitgehend unter jüdischer Selbstverwaltung und verfügte über eine Theatergruppe, eine Synagoge, ein Jazz-Orchester, einen Sportverein und Schulen. Die meisten Displaced Persons wanderten nach Israel und in die USA aus. „Biografien öffnen Türen zur Geschichte der Verfolgung“, erläuterte Aygün. „Für mich war etwa das Kapitel der jüdischen Partisanen neu – von denen einige für kurze Zeit im DP Camp Zeilsheim lebten.“

Die Auswertung der Unterlagen im ITS brachte viele neue, auch strukturelle Aspekte zur Situation der DPs zutage. „Mich interessiert vor allem das Problem der getrennten und in den DP-Camps verstreuten Familien und deren Zusammenführung“, berichtete Körner. „Die Akten im Archiv des ITS sind spannend. Ich würde jederzeit wiederkommen.“ Für Bartelheimer, der seine Abschlussarbeit mithilfe von Unterlagen des ITS schreiben wird, haben sich die Themen der Emigration Überlebender nach 1945 und der ‚Wiedergutmachung’ „neu erschlossen“. „Es gibt viel über Menschen und deren Schicksale zu erfahren. Die Erforschung von Biografien ist eine ‚Geschichte von unten’. Ich erfasse, welche Auswirkung die Politik von oben auf einzelne hatte.“

Aus Sicht der Darmstäder Studentin Gallo sind der Nationalsozialismus und der Holocaust gut erforscht. „Das hört aber beim Thema DPs auf und sollte anders werden. Leider hat die Zeit im Archiv nicht gereicht, denn es ist viel Material.“ Die Zusammenarbeit zwischen der TU Darmstadt und dem ITS soll in den kommenden Monaten noch vertieft werden durch weitere Projekte und Forschungsvorhaben. „Ich sehe darin ein großes Potenzial“, sagte ITS-Historikerin Urban. „Die Studierenden haben voller Engagement, wissenschaftlicher Genauigkeit und nicht zuletzt auch mit Empathie recherchiert.“