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Tochter des ehemaligen Direktors de Cocatrix zu Gast

Isabelle de Cocatrix Kechavarz hat es nach über 40 Jahren zurück nach Bad Arolsen gezogen - an den Ort, in dem sie viele Jahre ihrer Kindheit verbracht hat. Ihr Vater, Albert de Cocatrix, war von 1955 bis 1977 Vize-Direktor und dann Direktor des Internationalen Suchdienstes (ITS). „Er war sehr diskret, hat kaum über seine Arbeit gesprochen“, berichtet Isabelle de Cocatrix aus ihrer Kindheit. „Heute möchte ich genauer wissen, was er getan hat.“ Eine Führung durch das Archiv verbunden mit einem Blick auf handschriftliche Unterlagen ihres Vaters und eine Besichtigung der Ausstellung zur frühen Geschichte des ITS in der ehemaligen Arolser Kaserne standen auf ihrem Programm.

Mit dem Alter sei ihr Interesse am Thema der NS-Verfolgung gewachsen, erzählt de Cocatrix. „Fast bin ich ein wenig wütend, dass mein Vater nicht mehr erzählt hat. Er wollte uns Kinder vor den Grausamkeiten schützen.“ Erst nach seiner Pensionierung habe er von der einen oder anderen Geschichte berichtet. Isabelle blieb vor allem die Familienzusammenführung von einer jüdischen Mutter mit ihrem Sohn in Erinnerung. Die Beiden hätten viele Jahre in New York nur wenige Blocks voneinander entfernt gelebt, ohne vom Überleben des anderen zu wissen. Der ITS hat sie letztlich wieder zusammengebracht. „Mein Vater war einige Monate in einem sowjetischen Gulag“, so Isabelle. „Ich denke, dieses Erlebnis hat ihn geprägt. Er war menschlich und hat sich eingesetzt für seine Arbeit.“

In Arolsen habe sie eine sehr schöne Zeit verbracht, sagt Isabelle. „Ich war so gut integriert, dass ich am 17. Juni sogar für die deutsche Einheit demonstriert habe. Am liebsten wäre ich hier geblieben.“ Doch bereits 1969 musste sie Arolsen verlassen. „Ich sollte meine Muttersprache Französisch besser beherrschen und wurde deshalb auf ein Internat nach Frankreich geschickt.“ Nach ihrer Ausbildung ging sie als Deutschlehrerin in ihr Heimatland, die Schweiz, zurück, wo sie bis heute lebt.