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Tod im Arbeitslager Schlosshof

Recherchen zum Arbeitslager Schlosshof führten Martin Decker aus Bielefeld zum Internationalen Suchdienst (ITS) nach Bad Arolsen. Der ursprünglich geplante Abriss des Schlosshofes wurde durch ein Aktionsbündnis verhindert. Jetzt soll das Geschehen genau erforscht und ein würdiges Gedenken gefunden werden. Decker, der sich mit dem Thema der NS-Verfolgung schon viele Jahre beschäftigt, nutzt das Archiv des ITS inzwischen regelmäßig. „Hier befindet sich die vollständigste Sammlung zu Einzelschicksalen. Das macht das Archiv so wertvoll“, sagt der Heimatforscher.

In einem Teillager des Arbeitslagers Schlosshof sind nach Deckers Recherchen auch ältere Juden umgekommen. Sie wurden von Unna aus ins sogenannte „Alters- und Siechenheim Wickenkamp“ nach Bielefeld deportiert und starben hier an systematischer Mangelversorgung. „Der Schlosshof war also nicht nur ein reines Arbeitslager“, betont Decker. Die einzelnen Schicksale versucht er jetzt zu rekonstruieren.

Seit seinem Einsatz für ein Mahnmal am Bielefelder Hauptbahnhof lässt Decker das Thema der Judenverfolgung nicht mehr los. „Inzwischen ist es zu einer inneren Verpflichtung geworden." Das 1998 errichtete Mahnmal erinnert unter dem Titel „Jede Ermordete, jeder Ermordete hat einen Namen“ an alle Juden, die aus dem damaligen Gestapo-Bezirk Bielefeld deportiert und ermordet wurden. Es umfasst 1840 Namen. Die Rekonstruktion der Transporte erwies sich als schwierig, da die Gestapo-Unterlagen aus Bielefeld vor Kriegsende vernichtet worden sind und das Archiv des ITS bis Ende 2007 für die Forschung geschlossen blieb. Etwa 100 Überlebende hat Decker noch persönlich befragt. „Ich habe sie dabei nicht nur als Zeitzeugen, sondern als Menschen kennengelernt.“ Es sei wichtig, die Überlebenden und ihre Familien auch bei konkreten Erinnerungsformern mit einzubeziehen und um Rat zu fragen.

Das Interesse an dem Thema sei in seiner Heimatstadt seit der Errichtung des Mahnmals gestiegen, sagt der 44-Jährige. Decker gilt inzwischen als wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Aufarbeitung der NS-Verfolgung in der Region geht. Er recherchiert in vielen Archiven, schreibt Aufsätze, erstellt Broschüren, hält Ansprachen bei Gedenkveranstaltungen und liefert Material für Veranstaltungen. Um die ehrenamtliche Arbeit leisten zu können, verzichtet Decker auf Urlaub und trägt Überstunden ab. „In Arolsen könnte ich Monate am Stück sitzen“, meint der Bielefelder. „In meinen Augen sind die Dokumente von der Forschung noch nicht systematisch bearbeitet worden. Hier ließe sich noch Vieles herausfinden.“