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„Toleranz gegenüber anderen fördern“

Peter Asmussen aus Lüneburg hat Ende März zwei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen nach Informationen zu Schutzhäftlingen geforscht. Der Grund- und Hauptschullehrer ist seit vielen Jahren engagiert dabei, die NS-Zeit in Lüneburg aufzuarbeiten. „Meine Motivation ziehe ich aus den Freundschaften zu Opfern und deren Angehörigen“, so der Hobbyforscher.

Asmussen hat in Lüneburg studiert und dort vor vielen Jahren seine neue Heimat gefunden. Er lernte ehemalige KZ-Häftlinge und deren Angehörige kennen und stellte fest, dass die Zeit des Nationalsozialismus in Lüneburg nur wenig erforscht wurde. „Ende der Siebziger Jahre habe ich angefangen, nach Informationen zu recherchieren. Dabei fand ich wenig Unterstützung seitens anderer Institutionen“, berichtet der 62-Jährige.

Zusammen mit der Geschichtswerkstatt Lüneburg arbeitet Asmussen die Geschichte der Nazi-Verfolgung der unterschiedlichen Opfergruppen auf. „Bei meinem letzten Besuch in Arolsen habe ich Schicksale von Frauen, die eine Beziehung zu Zwangsarbeitern hatten, für das Projekt ‚Für eine Liebe so bestraft…’ recherchiert“, berichtet der Hobbyforscher. „Nun habe ich Namen von Schutzhäftlingen abgeglichen, die im Landgerichtsgefängnis Lüneburg inhaftiert waren.“

Während seiner zweitägigen Recherche fand Asmussen neue Hinweise über die überwiegend russischen und polnischen Zwangsarbeiter, die aus unterschiedlichen Gründen von der Gestapo Lüneburg verhaftet wurden. So zum Bespiel zu Stanislaus Tworski. „Er wurde am 6. November 1910 in Jeziovy/Szodra geboren“, erzählt der Lehrer. „Am 19. Juni 1941 wurde er verhaftet und am 2. Januar 1942 von der Gestapo abgeholt.“

Durch die langjährige Recherchearbeit und die Beschäftigung mit Haftgründen, Haftzeiten und Opfergruppen vermutet Asmussen, dass Tworski durch die Gestapo ermordet wurde. „Ein halbes Jahr in der Haftanstalt auf ein Urteil zu warten, heißt mit anderen Worten, die Gestapo prüft so lange, bis sie was findet“, schließt er aus den Ergebnissen. „Ich will mit meiner Arbeit vorrangig an die Opfer erinnern und über unbekannte Tatsachen berichten. Außerdem sollen die Erkenntnisse Toleranz gegenüber anderen fördern“, so Asmussen.