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Trauer um Max Mannheimer

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist am vergangenen Freitag im Alter von 96 Jahren gestorben. Unermüdlich hatte Mannheimer an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert und gegen das Vergessen angekämpft. Er hatte das Ghetto Theresienstadt und die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau und Dachau überlebt. Der International Tracing Service (ITS) verwahrt in seinem Archiv Dokumente zu Mannheimers Verfolgungsweg und zur Zeit nach der Befreiung.

„Mit Max Mannheimer verlieren wir eine wichtige Stimme der Erinnerung und Mahnung“, sagte ITS-Direktorin Floriane Hohenberg. „Er hat einen bedeutenden Beitrag gegen das Vergessen und für die Stärkung der Demokratie geleistet.“ Seit 1990 war Mannheimer Vorsitzender der von ehemaligen Häftlingen gegründeten Lagergemeinschaft Dachau und seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Er war zudem Mitglied im Beirat der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Über drei Jahrzehnte führte der jüdische Überlebende zahlreiche Zeitzeugengespräche in Schulen, an Universitäten und kirchlichen Einrichtungen wie auf Seminaren. Er wurde nicht müde, über den Holocaust aufzuklären und wurde für sein Engagement unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Verfolgung und Befreiung: Dokumente im Archiv des ITS

Am 27. Januar 1943 waren Mannheimer und seine Frau Eva, seine Eltern Jakob und Margarethe sowie seine Geschwister Käthe, Ernst und Edgar ins Ghetto Theresienstadt und wenige Wochen später ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Max und Edgar Mannheimer, die das Lager als Einzige der Familie überlebten, wurden im Oktober 1943 in das KZ Warschau und im August 1944 in das KZ Dachau weiter transportiert. Im Frühjahr 1945 bis zur Räumung des Lagers durch die SS am 28. April 1945 mussten die Brüder im Außenkommando Mühldorf Zwangsarbeit leisten. Ihre Befreiung durch die Amerikaner erlebten sie am 30. April 1945 in Tutzing. Zunächst kehrte Mannheimer in seine Heimat zurück, zog dann aber 1946 nach München, nachdem er sich in eine deutsche Widerstandskämpferin verliebt hatte.

Das Archiv des ITS umfasst Dokumente zu Inhaftierung und Zwangsarbeit während der NS-Zeit und die weltweit umfangreichste Dokumentensammlung über die überlebenden Displaced Persons (DPs). In den Beständen befinden sich auch Dokumente zu Max Mannheimer. Dazu zählen unter anderem eine Transportliste von Theresienstadt nach Auschwitz, die Registrierung als Häftling im KZ Dachau, die Überstellung ins Außenkommando Mühldorf sowie Registrierungen als Displaced Person nach der Befreiung. „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“, gab der charismatische Überlebende heutigen und zukünftigen Generationen in Deutschland mit auf den Weg. Mannheimer starb am 23. September 2016 in München.