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Vor 75 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

Heute vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, begann der Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion. Der Feldzug war von Beginn an als „rassebiologischer“ Vernichtungskrieg geplant. Ziel waren die wirtschaftliche Ausbeutung der Bevölkerung und der Gebiete, die Eroberung von „Lebensraum“ und die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung sowie der sowjetischen Führungsschicht. Der Überfall hatte zudem den Hungertod von Millionen Menschen in den eroberten Gebieten zur Folge. Die Militärgerichtsbarkeit im Umgang mit Zivilbevölkerung und Gefangenen setzten die Nationalsozialisten außer Kraft.

Dieser NS-Vernichtungspolitik fielen auch Millionen sowjetischer Kriegsgefangene zum Opfer: Fast sechs Millionen sowjetische Soldaten gerieten zwischen Juni 1941 und Mai 1945 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Jeder zweite der Rotarmisten starb während der Gefangenschaft an systematischer Unterversorgung – in den Lagern, bei Fußmärschen oder bei der Zwangsarbeit. Im Vergleich: Soldaten der Westalliierten überlebten die deutsche Kriegsgefangenschaft zu etwa 97 Prozent.

Nicht alle Opfer können mit Namen und ihrem individuellen Schicksal dokumentiert werden. Im Archiv des ITS befinden sich jedoch Deportationslisten, Meldeunterlagen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie Kopien von Dokumenten aus russischen Archiven, die heute teilweise im Original nicht mehr zugänglich sind. Auf der Basis all dieser Dokumente erteilt der ITS Auskünfte an Überlebende und Familienangehörige. 2015 gingen beim ITS aus der Russischen Föderation Anfragen zu mehr als 2.000 Personen ein.

Schicksalsklärung nach 75 Jahren

Der Ukrainer Nikolai Schpola galt seit den ersten Kriegstagen nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 als verschollen. Die einzige Information, die seine Angehörigen hatten: Er wurde als Rotarmist bei Brest von der Wehrmacht gefangen genommen. Heute, 75 Jahre nach seiner Gefangennahme, hat die Familie von Nikolai Schpola vom ITS die Auskunft und Dokumente über sein Schicksal erhalten. Schpola wurde als Kriegsgefangener zur Zwangsarbeit verschleppt und starb am 22. November 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Im März 2016 hatte die Familie beim ITS nach seinem Schicksal gefragt und heute die Auskunft erhalten.

Aussagekräftige Dokumente beim Bundesarchiv finden Sie hier.