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Überlebt - und dann?

Dem Schicksal der „child survivor“, der befreiten, traumatisierten Kinder aus den KZs, hat sich Alex Last von BBC, London, für seine Hörfunk-Reportage „Lost Children of the Holocaust“ gewidmet. Dokumente im Archiv des International Tracing Service (ITS) waren ihm eine Hilfe bei seiner Suche. Der Journalist fand vier der heute hochbetagten „child survivor“ und interviewte sie in Californien und Israel.

Ausgangspunkt für sein Interesse war ein BBC-Beitrag von August 1946: In der Sendung wurden für zwölf jüdische Kinder und Jugendliche Angehörige ausgerufen, von denen man annahm, dass sie sich in England aufhielten. Die Sendung startete mit den Worten: "Captive Children, an appeal from Germany." Die Überlebenden befanden sich zu dieser Zeit in speziell eingerichteten Kinderzentren, wo sie Unterstützung, Zuwendung und Hilfe von den Alliierten bekamen.

Der historische BBC-Beitrag nennt den Namen der gesuchten Person und gibt einen Überblick über den Verfolgungsweg der „child survivor“. „Jacob Bresler, ein 16-jähriger, polnischer Junge hat fünf Konzentrationslager überlebt, aber seine ganze Familie verloren …“ Knapp 70 Jahre später wollte Alex Last nun wissen, wie für die Kinder und Jugendlichen nach diesem Aufruf das Leben weiterging. Hatten die Aufrufe Erfolg? Wie konnten die ehemals Verfolgten ihr Leben meistern?

Der Journalist kontaktierte den ITS und kam im Februar 2015 nach Bad Arolsen. Es war eine umfassende Recherche, denn der ITS bewahrt sowohl Unterlagen aus Konzentrationslagern als auch die Akten des Child Search Branch aus der frühen Nachkriegszeit, darunter Interviews mit den Kindern und Jugendlichen. Hinweise gaben zudem Korrespondenzakten, denn einige der Überlebenden hatten Anfragen an den ITS geschickt, unter anderem wegen der für Entschädigung geforderten Haftbescheinigungen. Aus den verschiedenen Dokumenten ließen sich die Schicksale nachzeichnen. Im Fall von Gunter Wolff, einem damals 15-jährigen Jungen, konnten Mitarbeiterinnen des Referats Suchdienst und Schicksalsklärung des ITS direkt den Kontakt vermitteln. Andere Institutionen wie „The Central Zionist Archives“ in Jerusalem halfen Alex Last, mit Sala Landowicz, Jacob Bresler and Fela Katz drei weitere „child survivor“ zu finden.

Im Mai wurde „Lost Children of the Holocaust“ gesendet: eine beeindruckende Reportage mit den Zeitzeugen-Interviews, Ausschnitten der historischen Aufzeichnungen und Impressionen der Recherchen.

Hier können Sie die Reportage hören.

Begleitend erschien ein Artikel im Internetmagazin von BBC.