a A

Ukrainische DPs in der britischen Zone

Für seine Dissertation zum Thema „Lebenswelt der ukrainischen Displaced Persons (DPs) in der britischen Zone“ hat Jan-Hinnerk Antons zwei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen Akten eingesehen. Dabei konzentrierte er sich zunächst auf die Namensrecherche von zirka 200 ehemaligen ukrainischen DPs, die eine Funktion im Lagerrat, -komitee oder als Lagerführer innehatten. „Ich konnte interessante Dokumente aus der Nachkriegszeit beim ITS finden“, so der Historiker.

Antons beschäftigte sich bereits für seine Magisterarbeit mit dem ukrainischen DP-Camp in Heidenau. „Nicht nur von den Professoren bekam ich ein positives Feedback. Insbesondere die Bewohner von Heidenau und die ehemaligen ukrainischen DPs selbst motivierten mich zu weiteren Recherchen“, so der 29-Jährige. Verschiedene Archive im In- und Ausland hat der Historiker bereits besucht. Damit er ukrainische Quellen auswerten kann, war er im vergangenen Jahr in der Ukraine, um die Sprache zu lernen.

Die Lebenswelt sowie der Lageralltag der Displaced Persons sind Schwerpunkte bei Antons Recherchen. Dafür sind ihm besonders Zeitzeugenberichte wichtig. „Ich möchte ein klares Bild vom Leben im Camp darstellen. Dafür reicht es nicht nur Dokumente und Zeitungsberichte auszuwerten“, sagt der Historiker. „Die Perspektive der ehemaligen DPs ist dabei am wichtigsten.“ Auch zu deutschen Zeitzeugen hat er bereits Kontakt. „Die deutschen Nachbarn der Camps waren den DPs gegenüber mehrheitlich feindlich eingestellt. Alte, Kranke und allein erziehende Mütter konnten nicht auswandern und wurden zudem Opfer fremdenfeindlicher Diskriminierung“, so Antons.

Die ukrainischen DPs waren während der NS-Zeit als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden oder flüchteten zum Ende des Krieges aus der Ukraine vor der Roten Armee. „Ein Zusammenleben mit polnischen DPs war kaum möglich“, berichtet Antons. „Der nationale Stolz der Ukrainer spielte eine große Rolle. Sie versuchten auch von Deutschland aus den Kampf für einen eigenen Nationalstaat zu unterstützen.“ Die genaue Zahl der bei Kriegsende in Deutschland befindlichen Ukrainer ist unbekannt, ein Teil ist in westliche Länder durch die „International Refugee Organisation (IRO)“ umgesiedelt worden.

Für seine Forschungsarbeit sucht Jan-Hinnerk Antons weitere Augenzeugen. Wer selbst DP war oder welche kannte, kann sich bei ihm per Email melden.