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„Unsere Eltern waren Helden“

Einen Tag haben sieben Mitglieder der „Orphelins de Résistants“ aus Frankreich den Internationalen Suchdienst (ITS) und dessen Französische Verbindungsmission in Bad Arolsen besucht. Die Mitglieder des Vereins sind Kinder und Enkelkinder von Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkrieges im französischen Widerstand tätig waren. „Wir bewundern die Arbeit des ITS sehr und haben schon viele Auskünfte aus Bad Arolsen erhalten“, sagt Annie Dubois.

Dem im Jahr 2001 gegründeten Verein  gehören rund 800 Mitglieder an. Alle Mitglieder sind Waisen von Frauen und Männern, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. „Unsere Mütter und Väter wurden brutal von den Nazis gefoltert, erschossen und ermordet“, erzählt Dubois. „Dennoch wird ihnen kaum die nötige Anerkennung zugesprochen.“ Für Entschädigung, Gerechtigkeit und Gedenken würden die Mitglieder in Frankreich kämpfen, so Dubois. „Viele Opfergruppen werden für das, was die Nazis ihnen antaten, entschädigt. Nur die Menschen, die für die Freiheit Frankreichs gekämpft haben, wurden dabei bisher vergessen.“

Während einer Führung durch die Archive des ITS machte sich die Gruppe ein Bild von den Beständen und der Arbeit des ITS. „Die Mitarbeiter des ITS erledigen eine schwere, aber bewundernswerte Arbeit“, lobt Dubois. Im Anschluss des Rundgangs nahmen die Besucher Einsicht in die Unterlagen ihrer Eltern und Großeltern. Dubois  wurde im September 1941 geboren und ihr Vater im Oktober 1941 verhaftet. Sie hatte keine Chance, ihren Vater kennen zu lernen. Vom ITS hat sie alle Unterlagen über die Haft ihres Vaters im KZ Dachau und Flossenbürg eingesehen. Auch eine Sterbeurkunde konnte der ITS in Zusammenarbeit mit dem Sonderstandesamt in Bad Arolsen ausstellen. „Unsere Eltern waren Helden“, unterstreicht Dubois. „Wir kämpfen bis zu unserem letzten Atemzug für die Erinnerung an sie.“