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Unterstützung der Holocaust-Bildungsarbeit in der russischen Föderation

„Vermittlung der Geschichte des Holocaust in der Bildungsarbeit“ war das Thema des Seminars, an dem 15 Lehrkräfte, Dozenten und Archivpädagogen aus verschiedenen Regionen der russischen Föderation sowie eine Pädagogin aus Litauen Anfang Mai in Berlin teilnahmen. Es war bereits das vierte Mal, dass Lehrende aus Osteuropa durch eine Kooperation der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz, des Russischen Holocaust Forschungs- und Bildungszentrums sowie des Internationalen Tracing Service (ITS) die Möglichkeit einer intensiven Weiterbildung nutzen konnten. Im Zentrum standen neue pädagogische Zugänge für eine aktive Bildungsarbeit über den Holocaust in Osteuropa. 

Elisabeth Schwabauer, Leiterin des Referats Pädagogik und Bildung beim ITS, informierte über den ITS als Dokumentationszentrum für NS-Verfolgte und die befreiten Überlebenden und stellte die Bildungsangebote der Institution vor. Sie zog ein positives Fazit: „Es gab einen sehr interessanten Austausch über unsere neuen Unterrichtsmaterialien zu Displaced Persons, einem in Russland und den GUS-Staaten weitgehend unbekannten Thema. Die Materialien über die Schicksale der rund zehn Millionen Verschleppten, die NS-Verfolgung, Holocaust und Zwangsarbeit überlebten, fanden großes Interesse, vor allem hinsichtlich der Arbeitsimpulse für Lernende.“ Die Pädagoginnen und Pädagogen wünschen sich diese Materialien auch in russischer oder englischer Sprache.

Aus den noch immer aktiven Kontakten der letzten Jahre zeigt sich der nachhaltige Erfolg dieser Weiterbildung in enger Kooperation der drei Institutionen, die das Ziel verfolgt, bei Schülerinnen und Schülern durch die Vermittlung von Wissen, Empathie und Toleranz zu wecken. Professor Ilya Altman, Leiter des Russischen Holocaust Forschungs- und Bildungszentrum, konnte berichten, dass ehemalige Teilnehmer in ihren Schulen mit Dokumentenbeispielen aus dem Archiv des ITS arbeiten. Ein Schüler von Olga Grigorjewa, die 2012 an dem Seminar in Bad Arolsen teilgenommen hatte, gewann im letzen Jahr den länderübergreifenden Geschichtswettbewerb „Schüler und Studenten berichten über den Holocaust“. Prof. Dr. Ilya Altman sieht in den Dokumenten des ITS eine sehr gute Grundlage für Fortbildungen dieser Art und sprach sich deutlich für eine Fortführung des Programms aus. Er äußerte den Wunsch, im Mai 2016 ein gemeinsames Seminar für Multiplikatoren in Bad Arolsen zu planen.

Für den ITS ist die Kooperation auch deshalb wichtig, weil die Pädagoginnen und Pädagogen gewissermaßen als Botschafter vor Ort darüber informieren können, wie in Deutschland über den ITS Familienschicksale geklärt werden können. 2014 kamen über 2000 Anfragen aus der russischen Föderation.