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US-Generalkonsul Alford plädiert für Ausbau der Forschung

Der neue US-Generalkonsul in Frankfurt/Main, Edward M. Alford, sieht die Zukunft des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen in dessen Ausbau zu einem Forschungszentrum. „Wenn das letzte Opfer verstorben ist, müssen die Dokumente Zeugnis ablegen von dem ungeheuren Ausmaß der Verbrechen des Nationalsozialismus“, sagte der US-Vertreter heute bei einem Besuch des Archivs, in dem über 30 Millionen Akten über die nationalsozialistische Verfolgung lagern. Die USA sind Mitglied im Internationalen Ausschuss, der die Arbeit des ITS kontrolliert. Derzeit diskutiert das Gremium aus elf Staaten unter dem Vorsitz der USA die künftigen Aufgaben der Einrichtung.

Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Doria Rosen informierte sich Alford über den Dokumentenbestand und die jüngste Entwicklung des Suchdienstes. Es war der erste Besuch des Generalkonsuls in Bad Arolsen, nachdem er Ende August diesen Jahres in Frankfurt/Main sein Amt angetreten hat. Tief bewegt zeigte sich der US-Vertreter von den Schicksalen, die im Archiv des ITS dokumentiert sind. „Die Millionen von Namen der Opfer zu sehen ist schockierend. Zugleich wird anhand des Einzelfalls die Geschichte als Ganzes greifbarer, um deren grausame Fakten wir alle wissen“, äußerte Alford.

Die beiden US-Repräsentanten interessierten sich insbesondere für die Digitalisierung, Konservierung und Erschließung der Dokumente sowie die Anfragen von Familienangehörigen der NS-Opfer. Im ersten Halbjahr 2009 gingen 4577 Anfragen beim ITS ein, darunter 672 allein aus den USA. Besonders für Verfolgte, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Europa den Rücken gekehrt hätten, böte das Archiv des ITS wichtige Informationen. „Viele haben sich in den USA eine neue Existenz aufgebaut und ein ganzes Leben lang gearbeitet“, so der Generalkonsul. „Im Alter wollen sie jetzt mehr erfahren über ihre Wurzeln und das Schicksal ihrer Verwandten.“

Die Zukunft des Internationalen Suchdienstes sei ohne Zweifel eine politische Frage, führte Alford aus. „Die wichtige Arbeit des ITS muss aus meiner Sicht weitergehen, solange Angehörige nach Antworten suchen. Das zweite bedeutende Standbein des ITS sehe ich in der weiteren Erforschung und Vermittlung der Geschichte nationalsozialistischer Verfolgung.“ Dem amerikanischen Botschafter in Berlin will Alford für seinen nächsten Aufenthalt in Hessen einen Besuch von Bad Arolsen und dem Archiv des ITS empfehlen.