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Verfolgung von ungarischen Rabbinatsstudenten

Das Schicksal von 185 jüdischen Studenten aus Ungarn hat Professor Matthias Morgenstern vom Seminar für Religionswissenschaft und Judaistik an der Universität Tübingen zum Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) nach Bad Arolsen geführt. Im Archiv ging er einzelnen Lebenswegen nach und ergänzte Informationen hauptsächlich zur Inhaftierung der Verfolgten. „Die Recherchemöglichkeiten beim ITS sind sehr vorbildlich“, so Morgenstern.

Die ungarischen Studenten absolvierten in der Zeit von 1870 bis zum Holocaust ihr Rabbinatsstudium am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau, dem Landesrabbinerseminar in Budapest, an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin oder dem Rabbinerseminar in Berlin. „Einige wurden während ihrer Studienzeit in Ghettos und Konzentrationslager verschleppt“, weiß der 52-Jährige. „Bei 23 Studenten sind wir uns sicher, dass sie im Holocaust ermordet wurden.“

Im Archiv des ITS ist Morgenstern auf Häftlingspersonalkarten, Zugangslisten und Veränderungsmeldungen gestoßen, die nun die Biographien der ungarischen Studenten ergänzen. „Von Heinrich (Hendrik) Fisch war bisher nichts über seine Verfolgung bekannt“, erzählt der Professor. „Durch die Recherche beim ITS weiß ich nun, dass er im Juli 1944 von Auschwitz nach Dachau deportiert wurde und dort am 30. April 1945 befreit wurde.“

Die Informationen ergänzen eine abgeschlossene Dissertation zum Thema „Moderne Rabbinerausbildung in Deutschland und Ungarn. Ungarische Hörer in der deutschen Rabbinerseminaren (1854-1938)“, die Morgenstern begleitet hat.