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Vergessene Autoren aus dem Ghetto Lodz

Auf der Suche nach jüdischen Schriftstellern und Journalisten aus dem Ghetto Lodz hat Historikerin Uta Fröhlich einige Tage Unterlagen im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) studiert. Die von ihr gesammelten Informationen sollen einfließen in das Forschungsprojekt „Schreiben im Holocaust“ der Universität Heidelberg. „Ich bin bereits fündig geworden“, sagte Fröhlich. „Die Recherche klappt dank der weit fortgeschrittenen Digitalisierung sehr gut.“

Vor allem in den Korrespondenzakten, den sogenannten T/D-Fällen, fand die wissenschaftliche Mitarbeiterin Hinweise auf Autoren. „Die Schreiben der Betroffenen und ihrer Familienangehörigen verraten häufig etwas über den Beruf und das Schicksal der Einzelnen. Sie sind eine wunderbare Ergänzung zu den Originaldokumenten aus dem Ghetto“, berichtete Fröhlich. Neben den Korrespondenzakten geht sie Transportlisten durch, um auf weitere, womöglich vergessene Autoren zu stoßen. Neben den bereits bekannten Chronisten des Ghettos wie Oskar Singer befanden sich auch zahlreiche weitere Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler im Ghetto Lodz.

Mit dem Projekt der Heidelberger Universität wird erstmals in exemplarischer Form rekonstruiert, welche Texte in einem nationalsozialistischen Getto entstanden sind und wie sich die Sprache der Autoren angesichts der Erlebnisse verändert hat. „Der Vergleich mit den Schriften aus der Vorkriegszeit dürfte interessant werden“, so Fröhlich. Der systematischen Suche nach Namen sollen intensive Recherchen zu biographischen Daten und Werken der gefundenen Personen folgen. Im Rahmen des Forschungsprojektes soll auch Kontakt mit Überlebenden oder ihren Familienangehörigen aufgenommen werden. „Ich trage jetzt im ersten Schritt Informationen zusammen. Zuhause werde ich das ITS-Material weiter auswerten und dann in die Tiefe gehen“, sagte Fröhlich.