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Vergleichende Studie zu Mauthausen-Interviews

Historiker Alexander Prenninger hat für ein Projekt des Ludwig Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaft in Wien eine Woche lang Verfolgungswegen im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) nachgespürt. Sie sollen in eine vergleichende Studie zu Erinnerungsberichten von Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen einfließen. „Ich bin auf eine Fülle an Informationen gestoßen“, so der österreichische Forscher.

In dem Projekt "Mauthausen überleben und erinnern" geht es um eine vergleichende historisch-sozialwissenschaftliche und gegenwartsgeschichtliche Untersuchung von Erinnerungserzählungen ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen. Ausgehend von 860 Audio- und Video-Interviews, die mit Überlebenden des Lagerkomplexes in den Jahren 2001 bis 2003 im Rahmen des Mauthausen Survivors Research Project aufgezeichnet wurden, sollen vor allem die individuellen Lebensläufe der Überlebenden und deren Erinnerungs- und Erzählweisen betrachtet werden. „Während die einen sich genau an jedes Datum und selbst ihre Häftlingsnummer erinnern können, berichten andere eher von persönlichen Erlebnissen, Gefühlen und Wahrnehmungen“, so Prenninger.

Für die Recherche im Archiv des ITS hat der Historiker zunächst die Namen von 200 Überlebenden mitgebracht. „Ich finde zu fast allen Namen Dokumente. Ihre Verfolgungswege lassen sich in Bad Arolsen gut recherchieren, da hier das Material verschiedener Lager, Gefängnisse und Ghettos vorhanden ist“, sagte Prenninger. „Zudem können wir Einblick nehmen in Dokumente aus der Nachkriegszeit und so mehr über die Emigration erfahren.“ Die harten Fakten sollen die Erzählungen aus den Interviews belegen und ergänzen.

Bislang ist nur ein kleiner Teil der Interviews übersetzt worden, die in 14 verschiedenen Sprachen vorliegen. Ihre Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit 30 Kooperationspartnern weltweit. Dabei werden die vielfältigen individuellen Lebensgeschichten der Häftlinge vor, während und nach der NS-Verfolgung dargestellt, die Formen der Verarbeitung analysiert und Erkenntnisse über die Realgeschichte des Lagers gewonnen. „Auch hierzu gibt es zahlreiche Informationen im Archiv des ITS, beispielweise zu Arbeitskommandos und Nebenlagern von Mauthausen“, freut sich Prenninger. „Ich habe meinen Aufenthalt verlängert und hoffe, wiederkommen zu können.“