a A

Vernetzung zwischen ITS, Yad Vashem und Pädagogen

Teilnehmer des zweiten Seminars für Pädagogen in Kooperation mit Yad Vashem

Zwischen dem 8. und 10. November trafen sich beim Internationalen Suchdienst (ITS) Pädagogen, die in den vergangenen Jahren eine Fortbildung in der israelischen Erinnerungsstätte Yad Vashem absolviert hatten, zu einem Graduiertenseminar. Es war das zweite Seminar dieser Art – und auch 2013 soll die Kooperation des ITS mit Yad Vashem weitergehen. Acht Pädagogen aus verschiedensten Regionen Deutschlands und ein Student, der sich ebenfalls mit dem Thema der Erinnerung und der Vermittlung befasst, diskutierten, recherchierten und probierten multiperspektivische pädagogische Zugänge aus.

Zwei Tutoren, die in 2011 am ersten Netzwerkseminar teilgenommen hatten, begleiteten die „Neulinge“ und standen der Seminarleitung zu Seite. „Die Seminare sind wichtig, um einzelne Pädagogen zu vernetzen und zugleich eine gewisse Betriebsblindheit zu verhindern. Ein solcher Austausch befördert eine lebendige Pädagogik“, sagten Matthias Schickel und Alex Schöner. Die Teilnehmenden brachten vielfältige Interessensgebiete und Ideen mit, waren neugierig auf die Bestände des ITS und standen der Idee positiv gegenüber, nach dem Besuch in Israel die Perspektive vom Holocaust an den europäischen Juden auch auf andere Opfergruppen der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung zu erweitern.

„Die Bestände zur Zwangsarbeit sind kaum zu fassen - jeder Ort, jede Gemeinde, jeder Betrieb nutzte diese Menschen aus“, bemerkte Daniel Felder aus Villingen-Schwenningen. „Auch bei mir im Ort. Damit könnte sich eine künftige Geschichts-AG bei mir in der Schule befassen.“ Anna Esters, Pädagogin an einer Gesamtschule in Schermbeck will die Besuche in der Gedenkstätte Majdanek künftig mit einzelnen Lebensgeschichten von polnischen Kindern verbinden, die sich anhand der Dokumente im Archiv des ITS rekonstruieren lassen. „Die Auseinandersetzung mit Majdanek ist dank einer Schulpartnerschaft mit einer polnischen Schule zustande gekommen.“

Dass durch seinen Heimatort ein Todesmarsch ausgezehrter Häftlinge zog, erstaunte und bewegte Johannes Kuber, Lehramtsstudent an der Uni Regensburg. „Einer der Menschen, die diesen Todesmarsch überlebt hatten, heiratete eine Deutsche und wanderte 1947 in die USA aus. Dieser Spur werde ich folgen.“ Dem in der Pädagogik bislang wenig beachteten Thema des „Lebensborn“ und der „Eindeutschung“ von Kindern nahm sich Solveig Strauch an. „Ich habe viel über die einzelnen Aspekte gelernt und werde mich weiter einarbeiten.“

Neben der Recherche waren auch die Diskussionen ein wichtiger Bestandteil des Seminars – so ging es um die Ikonisierung Anne Franks in der Pädagogik und die Frage, ob die Reduzierung des Themas auf das Tagebuch der später in Bergen-Belsen elend Gestorbenen nicht auch eine Trivialisierung des Holocaust bedeute. Es herrschte große Einigkeit, dass Biografien und stufenweises Faktenlernen zueinander gehören. Identifikation mit den Opfern wird in den pädagogischen Grundsätzen Yad Vashems und des ITS abgelehnt - Empathie mit dem Menschen hingegen befürwortet. Die Teilnehmer stimmten auch überein, dass pure Betroffenheit kein pädagogisches Ziel sein kann.

Präsentationen von Unterrichtsmaterial aus Yad Vashem und dem ITS lösten weitere Diskussionen aus, und es wurde deutlich, dass diese Netzwerktreffen großes Potenzial bergen: es wird gestritten, diskutiert und viel voneinander gelernt. „Solche Seminare sind gut fürs Netzwerken und die eigene Reflexion. Der Holocaust war ein global prägendes Ereignis, und die Erinnerung daran soll auch an künftige Generationen weitergegeben werden, denn die Schatten der Geschichte reichen bis ins Heute hinein“, stellte Susanne Urban fest, Leiterin des Bereichs Forschung und Bildung beim ITS.

Deborah Hartman von Yad Vashem betonte: „Es wird auch nächstes Jahr ein solches Seminar geben, aber vielleicht mit einer etwas anderen Struktur. Jedenfalls sind wir mit dem ITS als Partner sehr zufrieden, da wir vergleichbare Ziele und Methoden haben. Das verbindet professionell und menschlich. Wir sehen immer wieder, sei es in den Beständen Yad Vashems oder denen des ITS: ein Menschenschicksal hängt mit Unterlassungen und auch Entscheidungen der Umwelt zusammen. Deshalb muss Unterricht heute kompetenzorientiert sein.“