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„Viele Forschungsfelder stehen offen“

Die US-Historikerin Prof. Dr. Atina Grossmann hat am 24. und 25. November 2014 mit Studierenden der Humboldt-Universität Berlin einen Workshop beim International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen veranstaltet. Im Anschluss von Besuchen in Berliner Archiven ging es der Studiengruppe darum zu erfahren, zu welchen Forschungsfragen im Archiv des ITS Dokumente zu finden sind. Übergeordnet war das Thema „Juden in Berlin“, doch einige der Studentinnen und Studenten hatten darüber hinaus spezialisierte Fragen, teils in Vorbereitung zu Masterarbeiten. Entsprechend intensiv war die Zusammenarbeit mit den ITS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern der Forschung und Bildung, die individuelle Hilfestellungen gaben, welche Recherchewege aussichtsreich sein könnten.

Ausgangspunkt der individuellen Recherchen: Stolpersteine

Einige der Studierenden hatten sich auf die Recherchen im ITS vorbereitet, indem sie sich Namen von Stolpersteinen in ihrem Stadtviertel notierten und davon ausgehend ihre Suche in den Dokumenten des ITS begannen. „Mäandern durch die Dokumente und Themen“: diese Formulierung fiel in der abschließenden Gesprächsrunde mehrmals, wenn die Recherchen immer neue Fragen aufwarfen und so ein durch das jeweilige Interesse fokussierter Weg durch die Dokumente in der Datenbank des ITS begann. Als schwieriger wurde von den Studentinnen und Studenten die Themen- und Schlagwort-Suche bewertet, zum Beispiel über NS-Verfolgte aus Ungarn, Rückkehrer aus Shanghai oder Überleben im Versteck.

Impulse für die weitere Arbeit

Prof. Dr. Atina Grossmann zeigte sich sehr zufrieden mit dem intensiven Workshop in Bad Arolsen. An vielen Stellen sei klar geworden, wie sich zwischen den Dokumenten in verschiedenen Archiven Verknüpfungen herstellen lassen, wo es Überschneidungen gibt und welche Chancen die Arbeit im ITS bietet. Sie selbst nutzte die Recherche, um nach ermordeten Familienmitgliedern aus Berlin zu suchen und anhand von den Dokumenten noch einmal deren Schicksal sowie die Geschichte der Suche nach ihnen zu rekonstruieren. Auch suchte sie nach Dokumenten über ihren Großvater mütterlichseits, der im Versteck die Verfolgung überlebte. Die Wissenschaftlerin, die zurzeit Gastprofessorin am Walter-Benjamin-Lehrstuhl für deutsch-jüdische Geschichte und Kultur an der Humboldt-Universität ist, bedankte sich auch im Namen ihrer Studentinnen und Studenten für die sehr gute Unterstützung seitens des ITS. „Wir haben einen Einblick bekommen, wie viele Forschungsfelder noch offen stehen.“