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Zeitzeuge besuchte ITS

Professor Feliks Tych ist Überlebender des Warschauer Ghettos sowie Historiker und ehemaliger Direktor des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau. Während seines fünftägigen Deutschlandaufenthalts besuchte er den Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen. „Ich bin sehr beeindruckt wie der ITS funktioniert und aufgebaut ist“, sagte Tych nach einer umfangreichen Führung durch die Dokumentation.

Udo Jost, Archivleiter beim ITS, präsentierte Tych, der zusammen mit Ernst Klein vom Verein „Arbeitskreis Rückblende - Gegen das Vergessen, Volkmarsen“ zum Suchdienst gekommen ist, die Hinweiskarten aus der Zentralen Namenkartei, Listen über Displaced Persons sowie Inhaftierungsunterlagen aus den verschiedenen Konzentrationslagern und Ghettos. Nicht nur mit den Augen eines Historikers sondern auch als „Opfer“ hat Tych die Informationen aufgenommen. „Ich bewundere die Qualität der ITS-Arbeit“, sagte der 79jährige. „Auch für das Jüdische Historische Institut in Warschau sind die vielfältigen Unterlagen, die beim ITS aufbewahrt werden, äußerst wichtig. Der Kontakt zwischen den beiden Organisationen muss unbedingt vertieft werden“, fordert der ehemalige Direktor des Instituts.

Feliks Tych, geboren 1929, überlebte den Krieg im und außerhalb des Jüdischen Ghettos in Warschau. Seine Eltern und viele seiner Familienmitglieder kamen im Holocaust ums Leben. Nach dem Krieg studierte Tych Geschichte in Warschau und promovierte 1955 an der Moskauer Lomonossov-Universität. Als Zeitzeuge, Historiker und Wissenschaftler beschäftigt er sich bis heute mit dem Holocaust.

Das erst kürzlich erschienene Buch „Kinder über den Holocaust“ ist ein Projekt, an dem Tych als Mitherausgeber gearbeitet hat. Grundlage dieses Buches sind Interviews mit Kindern, die nach dem Krieg von Vertretern der Jüdischen Historischen Kommission in Polen durchgeführt wurden. Die Aussagen der Mädchen und Jungen kurz nach dem Krieg bezeugen zeitnah die Erfahrungen der Gewalt, Angst und Verfolgung ohne politischen Hintergrund oder Interpretation. Die Originale der Berichte werden beim Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt und wurden zusammen mit der Universität Leipzig und Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. erschlossen und ausgewertet. „Wir investieren in diese Arbeit um die Erinnerung wach zu halten“, erklärt Tych. „Das Buch soll gleichzeitig auch eine Warnung für die globale Welt sein, dass sich diese schlimme Zeit nicht wiederholt.“

Feliks Tych, Alfons Kenkmann, Elisabeth Kohlhaas, Andreas Eberhardt, (Herausgeber), „Kinder über den Holocaust“, Metropol Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-08-6.