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Zeitzeugen aus DP Camp Lahde gesucht

Sonja von Behrens hat zwei Tage beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen Listen aus dem Displaced Persons Camp Lahde durchgesehen sowie Namen von DPs geprüft. Hintergrund ihrer Arbeit ist ein weiteres Buch über die Nachkriegszeit ihrer Heimat Minden und Umgebung. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Kontakt zu ehemaligen DPs in Polen aufbauen könnte“, sagt die 43-Jährige.

Bereits ihre Magisterarbeit schrieb Behrens über die Nachkriegsgeschichte ihrer Heimat. Unter dem Titel „Die Zeit der Polendörfer“ erschien ihr gleichnamiges Buch im Jahr 2004. Nördlich von Minden wurden acht Dörfer nach dem Krieg von den britischen Besatzern requiriert und für Displaced Persons eingerichtet. „Die Einheimischen mussten über Nacht ihre Sachen packen“, so die Historikerin. „Noch heute erhitzt das Thema die Gemüter deutscher Zeitzeugen.“ Von den rund 16.800 DPs waren die meisten bis 1946 in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die polnischen DPs waren länger in Lahde, weil sich ihre Rückführung in die Heimat schwieriger gestaltete.

Bei ihrem ersten Buch hat die Historikerin deutsche Quellen für ihre Recherche genutzt. Nun sichtet sie Unterlagen im National Archive London und arbeitet zusammen mit der Stiftung Polnische-Deutsche Aussöhnung. „Das Sammeln von Informationen zieht sich über einen längeren Zeitraum, da ich freiberufliche Historiker bin und für Fernsehreportagen und Dokumentationen recherchiere. Das Buch schreibe ich nebenbei“, erklärt Behrens.

Beim ITS hat die Historikerin neun Ordner zum DP Camp Lahde durchgesehen und etwa 25 Namen geprüft. Dabei hat sie darauf geachtet, ob Betroffene Anfragen an den ITS gestellt haben. „Die Station in Arolsen war sehr wichtig, da ich durch die Einsicht in die Korrespondenzakten alte Anschriften entdecken konnte. Ich versuche nun, Kontakt zu den ehemaligen DPs aufzunehmen und hoffe, sie sind gesprächsbereit.“ Behrens konnte bereits zu zwei lebenden Zeitzeugen Kontakt aufnehmen und wird sie in Polen besuchen.