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Zeugen Jehovas im KZ Bergen-Belsen

Die Inhaftierungen von Zeugen Jehovas im Konzentrationslager Bergen-Belsen sind das Thema von Reiner Hermann aus Celle. Mitte März recherchierte der Hobbyhistoriker nach den Schicksalen im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen. „Aus den reinen Namen sollen wieder Menschen mit Geschichten und ein Leben werden“, so Hermann.

Die Grundlage seiner Recherche basiert auf einer Liste des Geschichtsarchivs der Zeugen Jehovas im hessischen Selters. „Aus den ursprünglich 75 Namen von KZ-Häftlingen in Bergen-Belsen wurden während meiner langjährigen Recherchearbeit etwa 120“, berichtet der 52-Jährige. „Ich habe für meine Arbeit bereits einige Gedenkstätten besucht. So konnte ich Einzelheiten zu den Schicksalen in Erfahrung bringen.“

Im Frühjahr 1943 seien die ersten Zeugen Jehovas aus dem KZ Niederhagen nach Bergen-Belsen gekommen, um das „Aufenthaltslager für jüdische Austauschgefangene“ aufzubauen, berichtet Hermann. In diesem Lager wurden Juden inhaftiert, die zum Austausch gegen deutsche Zivilisten im Ausland dienen sollten. „Unter den Zeugen Jehovas befanden sich Architekten, Bauzeichner, Köche und all jene Berufe, die für den Bau benötigt wurden“, so Hermann weiter. „Die Mehrzahl der Zeugen Jehovas kam jedoch erst im Zuge der Räumungstransporte ab Ende 1944 nach Bergen-Belsen.“

Zeugen Jehovas wurden im Rahmen von „Schutzhaftmaßnahmen“ als sogenannte Bibelforscher inhaftiert und seit 1935/1936 als eigene Gruppe an der Kleidung, meist durch blaue Punkte oder Kreise, markiert. 1938 wurden die Farbcodes vereinheitlicht und es folgte das violette Dreieck („Lila Winkel“). „Viele der Frauen waren vor Bergen-Belsen in den Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück und Auschwitz inhaftiert“, weiß Hermann. „Am Ende des Krieges haben jedoch Zweidrittel der in Bergen-Belsen inhaftierten Zeugen Jehovas die Verfolgung überlebt.“