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Zukünftige Direktorin des ITS vorgestellt

Bild zeigt: Dr. Micaela Procaccia, Prof. Dr. Rebecca Boehling, Floriane Hohenberg und Sir Andrew Burns
(v.l.n.r.) Dr. Micaela Procaccia, Prof. Dr. Rebecca Boehling, Floriane Hohenberg und Sir Andrew Burns

Im Januar 2016 wird die Sozialwissenschaftlerin Floriane Hohenberg die Leitung des International Tracing Service (ITS) übernehmen. Bei einer Pressekonferenz des ITS am 21. Oktober 2015 sprach die im Management von internationalen Organisationen wie der OSZE erfahrene Menschenrechtsexpertin über ihre Prioritäten. Gleichzeitig zogen die scheidende Direktorin Prof. Dr. Rebecca Boehling und prominente Vertreterinnen und Vertreter des Internationalen Ausschusses als Leitungsgremium des ITS eine Bilanz über dessen Umstrukturierung zu einem Dokumentationszentrum über NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden.

„Wir haben eine Persönlichkeit gesucht, der wir zutrauen, diese profilierte Institution zu managen, die nach dem Holocaust und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg lange eine zentrale Rolle für die Opfer und Überlebenden gespielt hat – und auch weiterhin spielen wird“, betonte Sir Andrew Burns. Der erste Sonderbeauftragte der britischen Regierung für Holocaust-Fragen stellte in seiner Funktion als Vorsitzender des Nomination Committee des Internationalen Ausschusses die zukünftige Direktorin der Öffentlichkeit vor. Von Floriane Hohenberg verspreche sich der Internationale Ausschuss die Weiterentwicklung der Arbeit und des Ansehens des ITS zu einem international vernetzten Zentrum für Forschung und Bildung – auf der Basis seines einzigartigen Archivbestands sowie der historischen Rolle als führender Nachkriegs-Suchdienst.

Floriane Hohenberg erklärte, dass sie sich auf ihre neue Aufgabe freue und sich der historischen Dimension der Arbeit des ITS bewusst sei: „Die große Bedeutung des Archivs liegt heute mehr denn je darin, neue Erkenntnisse über die NS-Verfolgung, die Opfer und die Überlebenden sowie die Zeit unmittelbar nach der Befreiung zu gewinnen.“ Deshalb gehöre zu ihren Prioritäten, das kürzlich gestartete Online-Archiv kontinuierlich auszubauen. Es gehe bei den Dokumenten aus ihrer Sicht um Fragen, die durchaus auch aktuelle Bezüge aufweisen. „Ich wünsche mir, dass die Dokumente noch stärker genutzt werden können – für die Kernaufgaben des ITS, aber auch, weil sie uns helfen können, für die aktuelle Situation von Flüchtlingen zu sensibilisieren.“ Eine Station der beruflichen Laufbahn von Floriane Hohenberg war unter anderem die Leitung der Abteilung für Toleranz und Antidiskriminierung des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) der OSZE. Die gebürtige Französin ist Co-Autorin des Human Rights First-Berichts zum Antisemitismus in Frankreich, der jüngst in Washington vorgestellt wurde.

Die aktuelle Bedeutung der Arbeit des ITS stellte Prof. Dr. Rebecca Boehling heraus. Die US-amerikanische Historikerin war 2012 vom Internationalen Ausschuss berufen worden, die Entwicklung des ITS voranzutreiben. Prof. Dr. Rebecca Boehling berichtete, dass 70 Jahre nach der Befreiung die Zahl der Anfragen beim International Tracing Service (ITS) gestiegen ist. Bereits im ersten Halbjahr 2015 gingen rund 2.000 Anfragen mehr ein als im gleichen Zeitraum 2014 – eine Anfragenwelle, die unter anderem durch die Reform der sogenannten Ghetto-Renten ausgelöst wurde. Zudem betonte sie die wachsende internationale Bedeutung des ITS: „Der ITS wird heute international als die zentrale Stelle für die Auskunftserteilung zu allen NS-Verfolgten und den Überlebenden gesehen und zugleich als neuer Partner, wenn es um das Archiv und das Zentrum für Forschungs- und Bildungsfragen zur NS-Verfolgung, den Holocaust und seinen Nachkriegsfolgen geht.“ Als wichtige Meilensteine der vergangenen drei Jahre nannte Rebecca Boehling die verbesserte Beantwortung der Anfragen von Angehörigen: Diese erhalten inzwischen Erklärungen zum historischen Kontext sowie Kopien sämtlicher relevanter Dokumente. Sehr zufrieden zeigte sie sich mit den Fortschritten bei der Vernetzung des ITS mit anderen Archiven, NS-Gedenkstätten sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Weitere wichtige Veränderungen konnte Rebecca Boehling auf den Weg bringen: „Dass 2013 unsere Primärquellen und die zentrale Namenskartei in das UNESCO „Memory of the World“ aufgenommen wurden, hat uns bei der Frage einer angemessenen Aufbewahrung geholfen. Der ITS wird demnächst ein neues Archivgebäude bekommen, um die Unterbringung und die Sicherung der Dokumente für künftige Generationen garantieren zu können.“

Der Internationale Ausschuss war bei der Pressekonferenz neben Sir Andrew Burns durch Dr. Micaela Procaccia vertreten, die als Mitglied des Nomination Committee mit für die Ernennung der neuen Direktorin verantwortlich war. Da Italien bis Juni 2016 den Vorsitz im Internationalen Ausschuss hat, gab Dr. Micaela Procaccia Auskunft über zukünftig wichtige Themen des ITS, auch vor dem Hintergrund des anstehenden Wechsels in der Leitung. „Der ITS soll in der Zukunft noch stärker durch Initiativen auf dem Gebiet der Forschung und Bildung auf sich aufmerksam machen – mit einem von der bisherigen Direktorin gestärkten Führungsteam und den dank ihr auf den Weg gebrachten Reformen.“