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Zurück ins Leben - Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf

Peter (Alexander Pecha) in Indersdorf.

Vor einem Jahr hat die Historikerin und Pädagogin Anna Andlauer mit dem Buch „Zurück ins Leben - Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf 1945-1946“ die Geschichte der überlebenden Kinder und Jugendlichen der nationalsozialistischen Verfolgung präsentiert, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Aufnahme im ehemaligen Kloster Indersdorf in Bayern fanden. Jetzt ist das Buch auch auf Englisch erschienen. Und die Forschung nach den Schicksalen der damaligen Kinder geht weiter, unter anderem nach Alexander Pecha.

Die genaue Identität des Jungen ist unbekannt. Er befand sich ein Jahr im Kloster Indersdorf unter dem Namen Peter, bis er Ende 1946 in die Sowjetunion repatriiert wurde. „Seit seiner Rückkehr verliert sich seine Spur“, erzählt Andlauer. Sie hofft, dass ihre Suche nach dem Zeitzeugen dank der Kommunikationsmöglichkeiten des Internets erfolgreich sein wird. Pecha war von den Deutschen im Alter von etwa vier Jahren als Waise aus Shitomir in der Ukraine entführt worden. Laut der Kindersuchakte der Alliierten wollte der SS-Arzt Dr. Bruhns ihn „eindeutschen“. Er kam zur ostpreussischen Familie Polstorff und floh mit ihnen gemeinsam vor der herannahenden Roten Armee über Prag nach Bayern, wo sich dann die UNRRA des Kindes annahm.

Um die nahezu unbekannte Geschichte des Kinderheims erzählen zu können, hat die Autorin bereits 50 der ehemaligen “Indersdorf-Kinder” aufgespürt. Dafür hatte sie auch im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) recherchiert. Sie lädt die Überlebenden regelmäßig zu Besuchen in das ehemalige Kloster ein. Im Juli 1945 hatten die US-Amerikaner das Waisenheim in Indersdorf eröffnet, in dem Hunderte überlebende Kinder und Jugendliche aus Konzentrationslagern, der Zwangsarbeit und aus Lebensborn-Heimen ein vorläufiges Zuhause fanden.

Die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) betreute die an Leib und Seele verletzten jungen Menschen aus über 20 Nationen, bis sie in ihre Heimat zurückkehren oder in andere Länder auswandern konnten. Auch die Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz v. Paul kümmerten sich um sie. Zunächst mussten die Grundbedürfnisse der jungen Überlebenden befriedigt werden: Sie erhielten ausreichende Nahrung, passende und saubere Kleidung, medizinische Versorgung, durften sich regelmäßig waschen und in einem eigenen und sauberen Bett schlafen. Durch szenisches Spiel lernten sie, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. „Die Kinder durften wieder spielen und lernen, konnten über ihre verstörenden Erfahrungen sprechen, fanden Menschen, die ihnen zuhörten“, berichtet Andlauer. „So begann ihr schwieriger Weg zurück ins Leben.“

Zurück ins Leben
Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf 1945–1946
Anna Andlauer
189 Seiten, 22 x 14 cm, 114 Abb., Pb
ISBN 978-3-938286-40-1
17,90 EUR [D]