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Zwangsarbeit im Landkreis Wolfenbüttel

Siegfried Berneis hat vier Tage im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen nach Zwangs- und Zivilarbeitern in der Samtgemeinde Schladen, Landkreis Wolfenbüttel, recherchiert. Unterstützt und begleitet wurde er dabei von Peter Asmussen, der bereits zum dritten Mal das Archiv aufsuchte. „Ich möchte die Zeit des Nationalsozialismus für meine Heimatgemeinde aufarbeiten“, so Berneis. „Es gibt noch viel zu wenige Informationen aus dieser Zeit, dabei müssen nur die unterschiedlichen Puzzlestücke zusammengeführt werden.“

Berneis hat seine Ausbildung in einer Maschinenfabrik in Schladen absolviert. Schon lange war ihm bekannt, dass viele Zwangs- und Zivilarbeiter während der NS-Herrschaft dort beschäftigt waren. „Ganz in der Nähe gab es die Reichswerke Hermann Göring“, berichtet er. „Außerdem war die Region generell für die Rüstungsindustrie bekannt.“ Doch weiter nachgefragt hat er damals nicht.

Nun möchte der Hobbyforscher seinen Fragen aus der Jugendzeit nachgehen und Antworten darauf finden, wo und wie viele ausländische Arbeiter in der Samtgemeinde und speziell in seinem Ausbildungsbetrieb beschäftigt waren. „Dafür habe ich beim ITS die Meldelisten der Allgemeinen Ortskrankenkasse angefangen durchzusehen“, erzählt Berneis. „Circa 400 Namen von Zwangs- und Zivilarbeitern unterschiedlichster Nationalitäten habe ich mir notiert.“

Bei seiner Recherche stolperte er nicht nur über Zwangsarbeit in der Maschinenfabrik, auch ein Saatzuchtbetrieb, Gutshöfe, Zuckerfabriken, Bauerhöfe und die Kiesgrube der Reichswerke Hermann Göring bedienten sich der billigen Arbeitskräfte in seiner Heimat. „Es ist sehr verzweigt und viel zu tun“, stellte er während des Besuches fest. Dass später keiner etwas davon gewusst haben will, glaubt Berneis nicht. „Ich werde bestimmt noch öfters den ITS besuchen kommen“, kündigt der Hobbyforscher an.

Asmussen hat bereits in der Vergangenheit für die Lüneburger VVN-BdA zur Gestapo Lüneburg beim ITS recherchiert. Eine Gedenktafel für die über 2.000 Schutzhäftlinge der Gestapo möchte seine Vereinigung am Landesgerichtsgefängnis anbringen. Dafür ist er den Schicksalen von bestimmten Häftlingen nochmals nachgegangen. „Mir ist noch unklar, ob einige Inhaftierte in Arbeitserziehungslager, in Konzentrationslager oder direkt von der Gestapo ermordet wurden“, sagt Asmussen. „Ich versuche daher anhand der ITS Unterlagen Klarheit zu den Schicksalen zu bekommen.“