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Zweite Studientagung für Pädagogen

Die Pädagogische Akademie der Gemeinschaft evangelischer Erzieher (GEE) hat Mitte Januar ihre zweite Studientagung für Pädagogen beim Internationalen Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen angeboten. Ziel der Tagungen beim ITS ist es, den Pädagogen einen Einblick in die Recherchemöglichkeiten und vielfältigen Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu geben. „Wir freuen uns über den Austausch“, sagte Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung beim ITS. „Er belebt unsere Arbeit, bringt neue Impulse und Input von außen.“

Auf dem Programm der dreitägigen Tagung, zu der diesmal neun Pädagogen von Universitäten, Schulen und Instituten aus der Mitte und dem Süden Deutschlands anreisten, standen unter anderem eine Führung durch das Archiv, eine Einweisung in das digitale Rechercheprogramm sowie die Erörterung von Dokumentenbeispielen. Erstmals wurden auch die pädagogischen Materialien für Schulen präsentiert, die der ITS derzeit erstellt.

Vereinbart wurde darüber hinaus im Laufe der Tagung eine intensive Zusammenarbeit mit dem ITS bei der Erstellung eines Curriculums zur Holocaust-Erziehung von der Jahrgangsstufe 1 bis zum Abitur. „Ich habe den Eindruck, dass wir angesichts des Materials und der Ideen beim ITS gute Anknüpfungspunkte für unser Projekt finden“, sagte Dr. Rainer Möller vom Comenius-Institut Münster. Derzeit sammeln die beteiligten Pädagogen Praxisbeispiele und Anregungen für ihr Konzept.

Kirsten Neumann, Gymnasiallehrerin aus Koblenz, erscheint der Ansatz des ITS für die pädagogische Arbeit mit den Effekten aus dem Archiv reizvoll. „Was erzählen uns die letzten Dinge über einen Menschen? Welche Geschichte kann ich über den Menschen schreiben? Diesem Thema können wir uns auf verschiedenen Ebenen nähern.“ Die Darstellung von Identitäten findet wiederum Studienleiter Wolfgang Wendel aus Herborn interessant. „Ich hätte nicht erwartet, dass das Thema so wichtig ist für uns heute. Wie haben die Nationalsozialisten Identitäten beschrieben und eingeordnet? Wie stellen wir unsere Identität im digitalen Zeitalter dar auf Plattformen wie Facebook? Hier muss eine Sensibilisierung stattfinden. In diesem Hinblick gehe ich sehr motiviert aus der Tagung.“

Einig sind sich die Pädagogen, dass es Sinn macht, einen Bezug zu dem Leben der Kinder herzustellen. So ließen sich etwa Schicksale aus demselben Ort oder der Umgebung recherchieren, die Geschichte von Kindern aus derselben Schule erzählen oder die Biografien verfolgter Muslime mit einbeziehen. „Natürlich müssen wir auch die Kinderentwicklung und -psychologie betrachten“, erklärte Möller. „Es geht um die Frage, was wir den Kindern zumuten können.“

Die Gruppe werde bei der Erstellung des Curriculums auf die Kompetenzen des ITS zurückgreifen und einen Austausch über die Ergebnisse anstreben, meinte Projektleiterin Gerda Koch von der GEE. Ein weiteres Treffen soll in Bad Arolsen stattfinden, sobald die ersten Materialien erarbeitet wurden und durch Dokumentenbeispiele ergänzt werden. „Das Archiv des ITS macht Geschichte lebendig. Da sind mir hier ganze Kronleuchter aufgegangen.“