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Schützen, erhalten und bereitstellen

Blick in das Archiv

Blick in das Archiv

Über viele Jahrzehnte haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ITS tagtäglich mit den Dokumenten im Archiv gearbeitet, bis man anfing, die für die Dokumentations- und Sucharbeit zusammengetragenen Bestände auch als historisch wertvolles Archiv zu verstehen. Daraus haben sich neue Aufgaben ergeben: Im Zentrum stehen alle Maßnahmen, die dazu beitragen die Dokumente zu schützen und auch für künftige Generationen zu bewahren. 1998 wurde mit der Digitalisierung begonnen, so dass heute in der Regel mit Digitalisaten gearbeitet wird, um die Originale zu schonen. Der Zugang zu den Dokumenten und die Recherchen werden nach und nach durch eine Indizierung und wissenschaftliche Erschließung erleichtert.

  • Konservieren

    Bei der Langzeitkonservierung stellen nicht nur die Menge, sondern auch die Unterschiede in Qualität und Erhaltungszustand der Papiere eine besondere Herausforderung dar. In den 1940er Jahren nahm die Materialqualität spürbar ab: Die Papiere sind stark säurehaltig und verfallen damit schneller. Auch hat die Arbeit mit den Dokumenten Spuren hinterlassen, zum Beispiel durch Verklebungen, Laminierungen, Metallkontaminationen oder Risse. Im Jahr 2000 hat der ITS aufgrund einer Schadensanalyse eine Prioritätenliste mit notwendigen Behandlungsmethoden erarbeitet. Aufgrund dieser Planung werden jedes Jahr bestimmte Dokumentenbestände bei externen Dienstleistern konservatorisch behandelt. Zur Entsäuerung des Papiers kommt heute ein Massenverfahren zum Einsatz, bei dem die Papiersäure neutralisiert wird. Außerdem werden nach und nach Laminierungen jeglicher Art entfernt, Schriftbilder fixiert und mechanische Beschädigungen, wie Risse und Fehlstellen, behoben. 6,2 Millionen Objekte konnten auf diese Art und Weise bis heute behandelt und so gesichert werden.

    Doch noch immer sind Millionen der einzigartigen Dokumente in einem kritischen Zustand. Bemerkbar macht sich in diesem Zusammenhang auch das Fehlen eines Archivgebäudes mit einer konstanten Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur. Im Juni 2015 hat der Internationale Ausschuss das Ergebnis eines Erkundungsverfahrens für ein neues Archivgebäude bestätigt und somit die Grundlage für einen Archivneubau mit fachgerechter Ausstattung geschaffen.

  • Digitalisieren

    Die seit 1998 vorgenommene Digitalisierung der Dokumente hat besondere Bedeutung für den Schutz und Erhalt des Archivguts. So arbeiten heute sowohl Mitarbeiter als auch Besucher fast ausschließlich mit den Digitalisaten, die in der ITS-Datenbank verwaltet werden. Der größte Anteil des Archivbestands steht dort mit rund 105 Millionen digitalen Dokumenten bereit. Digitale Dokumente umfassen beispielsweise auch gescannte Rückseiten von Dokumenten sowie Umschläge zur Aufbewahrung et cetera. Nur in Ausnahmefällen muss auf Originalpapier zurückgegriffen werden.

    Die Mitarbeiter des Archivs scannen aktuell den Bestand der sogenannten Korrespondenzakten, also die Briefwechsel des ITS mit ehemals NS-Verfolgten, ihren Familienangehörigen sowie Behörden. Insgesamt beziehen sich diese Akten auf rund drei Millionen NS-Verfolgte. Die Digitalisierung dieser Briefwechsel wird bis 2020 abgeschlossen sein. Ein weiteres Digitalisierungsprojekt sind die knapp 100.000 Umschläge mit Krankenunterlagen zu Displaced Persons, von denen bislang circa 40.000 gescannt wurden.

    Die Verschiedenartigkeit der Unterlagen erschwert die Digitalisierung des Gesamtbestandes. Lose Blätter, Fragebögen, Karteikarten und gebundene Bücher in unterschiedlichsten Formaten müssen möglichst papierschonend gescannt werden. Der ITS hat für diese Anforderungen spezielle Scanstationen entwickeln lassen. 

  • Indizieren

    Namen sind aufgrund der Such- und Dokumentationstätigkeit des ITS der wichtigste Schlüssel zu den Dokumenten. Jedes einzelne Dokument wurde und wird entsprechend ausgewertet. Diese ungewöhnlich gründliche Indizierung bietet Forschern interessante Ansätze für ihre Arbeit. Doch Journalisten, Wissenschaftler und Pädagogen fragen zum Beispiel auch nach Themen, Orten, Nationalitäten oder Opfergruppen. Deshalb werden bei den neu gescannten Korrespondenzakten seit einigen Jahren diese Suchkriterien direkt berücksichtigt und erfasst. Bei speziellen Projekten erfolgt zudem eine nachträgliche Auswertung und tiefere Indizierung. Ein Beispiel dafür ist das Projekt zum Karteikartenbestand der Reichsvereinigung der Juden, der in Zusammenarbeit mit der Abteilung Forschung und Bildung tiefergehend indiziert und inhaltlich erschlossen wird. Ein zweites Beispiel ist der Archivbestand über Todesmärsche, bei dem für eine Kartendarstellung im Rahmen der Online-Veröffentlichung alle Orte indiziert wurden.

  • Erschließen

    Bei der archivischen Erschließung geht es darum, die verschiedenen Bestände ausgerichtet an den Bedürfnissen der Forschung zu charakterisieren. Im Mittelpunkt steht deshalb nicht das einzelne Dokument. Vielmehr wird eine Sammlung hinsichtlich Umfang, Herkunft, Inhalt und Bestandsgeschichte beschrieben. Auch die archivische Erschließung gehört zu den neuen Aufgaben des ITS als Dokumentationszentrum. Es wird noch Jahre in Anspruch nehmen, bis diese Projekte abgeschlossen sind.

Sie können hochauflösende Scans, zum Beispiel für Publikationen oder Ausstellungen, bei der Archivverwaltung bestellen. Die Kosten dafür entnehmen Sie bitte der Gebührenordnung. Bitte kontaktieren Sie ebenfalls die Archivverwaltung, wenn es Ihnen um Veröffentlichungsgenehmigungen geht.