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Armbanduhr aus dem Konzentrationslager Neuengamme kehrt in Familienbesitz zurück

Bild zeigt: Thilo Epking und seinen Vater Reinhard Epking bei Effektenübergabe
Nach 67 Jahren ist eine Armbanduhr in den Besitz der Familie Epking aus Herdecke zurückgekehrt.

Nach 67 Jahren ist heute eine Armbanduhr in den Besitz der Familie Epking aus Herdecke zurückgekehrt. Die Googlesuche nach dem Großvater Karl hat Thilo Epking und seinen Vater Reinhard auf eine Liste von Effekten aus dem Konzentrationslager Neuengamme geführt, die der International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen im Internet veröffentlicht hat. „Ich konnte es kaum glauben und habe mir gleich einen Tag frei genommen“, sagt Thilo. „Ich hatte zuvor noch nie vom ITS gehört.“

Die Nationalsozialisten hatten Karl Epking Anfang 1945 ins KZ Neuengamme gesperrt. Er war nie zurückgekehrt. „Wir wussten bisher nichts über den Verbleib meines Vaters“, erzählt sein Sohn Reinhard. „Ein Bekannter hatte uns berichtet, er sei Anfang 1945 in Berlin am Bahnhof Zoo verhaftet worden. Von da an fehlte jede Spur.“ Karls Ehefrau hatte nach dem Kriegsende intensiv gesucht, aber keine weiteren Auskünfte erhalten. Schließlich ließ sie ihren Mann für tot erklären. Der 74-jährige Reinhard kann sich nur erinnern, dass sein Vater immer auf der Flucht war, als er noch ein sehr kleiner Junge war. „Zuletzt sah ich ihn im Kleinwalsertal im heutigen Österreich, aber nur für ein paar Stunden. Die Häscher waren immer hinter ihm her.“

Sein Vater war aus der Partei ausgetreten und hatte sich gegen die nationalsozialistische Diktatur gewandt. Mehr weiß die Familie nicht. Der Riss ging mitten hindurch, die einen standen zur Ideologie der Nationalsozialisten, die anderen wandten sich vom Regime ab. „Wir haben immer versucht, uns aus den Legenden und Erzählungen etwas zusammenzureimen“, äußert der 45-jährige Enkel Thilo. „Doch das war schwierig.“ Selbst der Vater des ermordeten KZ-Häftlings stellte sich stur. „Ich habe meinen Großvater angeschrien, wie kannst du zu denen halten, die deinen eigenen Sohn umgebracht haben“, erzählt Reinhard Epking. „Aber es brachte nichts.“

Reinhard selbst hat die damalige Zeit, die Ängste und Bombenangriffe noch heute vor Augen. „Wir waren im Keller verschüttet. Es gab kein Wasser, und die Kohlen begannen zu brennen. Eine Nachbarsfrau hat uns letztlich gerettet“, berichtet er. „Die Erlebnisse von damals haben definitiv ihre Spuren hinterlassen.“ Der ITS wird jetzt versuchen, weitere Einzelheiten des Verfolgungsweges von Karl Epking zu rekonstruieren. „Es wäre schön, einen Ort für die Trauer und den Abschied zu haben“, so sein Enkel Thilo.