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„Die Gefühle sind nicht zu beschreiben.“

Bild zeigt: Karre Dag Helling und eine ITS-Mitarbeiterin bei Effektenübergabe
Karre Dag Helling bekam vom ITS eine Taschenuhr und ein Ehering seines Vaters zurück.

Nach 69 Jahren hat der International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen der Familie Helling in Norwegen eine Taschenuhr und einen Ehering zurückgeben können. Sie stammen von Torstein Helling und waren ihm bei der Einlieferung ins Konzentrationslager Natzweiler abgenommen worden. Am 26. September 2012 besuchte sein Sohn, Karre Dag Helling, in Begleitung eines norwegischen Fernsehteams den ITS in Bad Arolsen. Er wollte das Archiv mit eigenen Augen sehen, in dem die Effekten gelagert hatten. „Ich konnte es zunächst nicht glauben“, berichtet er vom Erhalt der persönlichen Gegenstände. „Ich hatte Tränen in den Augen. Die Gefühle sind einfach nicht zu beschreiben.“

Torstein Helling war als 36-Jähriger am 23. Januar 1943 in Lillesand wegen Widerstandes verhaftet worden. Er war damals 36 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Über das Gefängnis in Kristiansand deportierten ihn die Nationalsozialisten als „Nacht- und Nebel“-Häftling am 15. Juni 1943 ins Konzentrationslager Natzweiler. Das spurlose Verschwinden der politischen Häftlinge sollte eine abschreckende Wirkung haben. Hellings nächste Station war am 6. September 1944 das KZ Dachau. Häftlingspersonalbögen, Effektenkarten, Zugangslisten sowie Arbeitskarten und Krankenunterlagen im Archiv des ITS zeugen von seiner Verfolgung. Lange schaut sein Sohn Karre Dag auf die Dokumente und lässt sich jede Zeile übersetzen. „Es ist gut, hier zu sein“, sagt er immer wieder. „Sie machen eine sehr wichtige Arbeit.“

Mit der Rettungsaktion der „Weißen Busse“ vom Schwedischen Roten Kreuz konnte Hellings Vater im März und April 1945 schließlich in die Heimat zurückkehren. Eine letzte Zwischenstation war das KZ Neuengamme im Norden Deutschlands. „Erst 1988 hat mein Vater das erste Mal über die Zeit damals gesprochen“, erzählt sein 63-jähriger Sohn. „Danach ist er sogar noch einmal nach Natzweiler gefahren.“ Dass über all die Jahre sein persönliches Eigentum noch in einem Archiv in Deutschland ruhte, wusste Helling nicht.

Die NS-Administration hatte Hellings Effekten von Natzweiler über Dachau nach Neuengamme gesandt. Nach der Evakuierung des KZ fielen sie in Schleswig-Holstein in die Hände der britischen Armee. Über das Amt für Restitution in Hannover gelangten die persönlichen Gegenstände 1963 nach Bad Arolsen, wo sie seitdem verwahrt wurden. Dank einer Liste der Effekten auf der Website des ITS und der Recherchen der niederländischen Familienforscherin Kitty Brom konnte die Familie in Norwegen jetzt ausfindig gemacht werden. „Ich verspreche Ihnen, dass ich weitere norwegische Familien finden werde“, sagt Karre Dag Helling zum Abschied.