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Effektenrückgabe in Frankreich

Bild zeigt: Ehering von Hélène Nautré
Dem Franzosen Francis Nautré konnte der ITS einen Ehering seiner Großmutter Hélène zurückgeben.

Dem Franzosen Francis Nautré konnte der International Tracing Service (ITS) Bad Arolsen einen Ehering seiner Großmutter Hélène zurückgeben. Diesen hatten ihr die Nationalsozialisten im August 1944 bei der Einlieferung in das Konzentrationslager Neuengamme abgenommen. „Dass ich den Ehering von meiner Großmutter erhalten habe, hat mich tief bewegt“, so Nautré.

Seine Großmutter war als Kommunistin im französischen Widerstand aktiv. Am 18. Mai 1944 wurde sie in Paris (Fort Romainville) von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Nach vier Monaten überstellten die Nationalsozialisten Hélène ins KZ Neuengamme und anschließend nach Bergen-Belsen. Dort wurde sie am 15. April 1945 durch die britische Armee befreit. „Über ihre Gefangenschaft hat sie nie gesprochen“, berichtet Nautré.

Dass überhaupt noch Effekten vorhanden sind, wusste der Franzose nicht. „Ich dachte, dass alle persönlichen Gegenstände entweder verlorenen gegangen waren oder von den Nationalsozialisten entwendet wurden“, erzählt Nautré. Der ITS bewahrt in seinem Archiv noch circa 2.900 Effekten, von denen die einstigen Eigentümer namentlich bekannt sind. Die Brieftaschen, Ausweispapiere, Fotos, Briefe, Urkunden sowie vereinzelt Modeschmuck, Zigarettenetuis, Eheringe, Uhren oder Füllfederhalter stammen hauptsächlich aus den Konzentrationslagern Neuengamme (2.400) und Dachau (330).

„Ich war emotional aufgewühlt, überrascht und sprachlos zugleich“, erinnert sich Nautré an den Zeitpunkt, als er von dem Ehering seiner Großmutter erfuhr. „Diesen Ring, als Symbol für das damalige Geschehen, wird meine Enkelin bekommen.“ Seine Großmutter hat der 60-Jährige als eine große Optimistin in Erinnerung behalten. „Bis zu ihrem Tod hat sie ihr Leben genossen“, weiß er. „Sie hat ihre Deportation verdrängt und sich weiterhin politisch engagiert, unter anderem als Abgeordnete.“

Vom Ehering seiner Großmutter erfuhr Nautré durch die Recherchen von „Amicale de Neuengamme“ in Frankreich. Neben ihm erhielten im vergangenen Jahr vier weitere Familienangehörige und ein Überlebender aus Frankreich Effekten aus dem Archiv des ITS. Im Mai 2011 hatte der ITS eine Liste der noch im Archiv verbliebenen Effekten im Internet veröffentlicht. Ziel ist es, möglichst viele der persönlichen Gegenstände an Überlebende der NS-Verfolgung sowie deren Angehörige zurückzugeben.