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Ring des Großvaters an Familie in Lettland zurückgegeben

Bild zeigt: Siegelring von Ernest Zorgis
Der Lette Peteris Zorgis bekommt vom International Tracing Service den Ehering seines Großvaters zurück.

Einen Ehering seines Großvaters Ernest hat der Lette Peteris Zorgis vom International Tracing Service (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen erhalten. Dieser war dem Großvater bei der Einlieferung ins Konzentrationslager Neuengamme abgenommen worden. „Ihr Service hat einen einmaligen Job geleistet“, schrieb Peteris Zorgis dem ITS. „Es ist fantastisch, dass die Effekten der Häftlinge nach all den Jahren noch im Archiv vorhanden sind. Mein Vater und ich sind darüber sehr glücklich.“

Ernest Zorgis, geboren am 26. Januar 1914, war nach der Besetzung Lettlands durch die russische Armee infolge des Hitler-Stalin-Paktes zunächst verhaftet worden und dann Richtung Westen geflohen. In Deutschland arbeitete er als Fahrer, bis er im Juli 1944 ins Konzentrationslager Neuengamme kam. Ein Haftgrund ist in dem einzigen, zu Zorgis noch vorhandenen Dokument aus dem KZ nicht angegeben. „Er hat uns nicht viel erzählt von damals und starb bereits, als ich 16 Jahre alt war“, berichtet sein Enkel. „An der Geschichte können wir nichts ändern, aber mit dem Ring fühlen wir uns meinem Großvater noch einmal nahe.“

Ernest Zorgis überlebte die Haft im Konzentrationslager und kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heim. „Er führte ein normales Leben und hatte drei Söhne. Die Haftzeit habe ich ihm nicht angemerkt“, so Peteris. „Der Ring ist ein Teil der Familiengeschichte und wird einen besonderen Platz erhalten.“

Der ITS bewahrt in seinem Archiv noch circa 2.900 Effekten, von denen die einstigen Eigentümer namentlich bekannt sind. Die Brieftaschen, Ausweispapiere, Fotos, Briefe, Urkunden sowie vereinzelt Modeschmuck, Zigarettenetuis, Eheringe, Uhren oder Füllfederhalter stammen hauptsächlich aus den Konzentrationslagern Neuengamme (2.400) und Dachau (330). Im Mai 2011 hatte der ITS eine Liste der noch im Archiv verbliebenen Effekten im Internet veröffentlicht. Ziel ist es, möglichst viele der persönlichen Gegenstände an Überlebende der NS-Verfolgung sowie deren Angehörige zurückzugeben.