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„Alle Freunde waren Holocaust-Überlebende“

Lea Dror-Batalion, Tochter zweier Überlebender der Shoah, hat im Juni 2015 zusammen mit ihrem Bruder Nathan Batalion und ihrem Cousin Ranaga Farbiarz die Möglichkeit genutzt, eine Reise durch Deutschland mit einem Besuch beim International Tracing Service (ITS) zu verbinden. Alle drei wurden in Displaced Persons-Camps geboren und haben sich schon lange intensiv mit der Familiengeschichte auseinander gesetzt, die von Verfolgung und Holocaust geprägt bleibt. „Schon als wir Kinder waren, gab es um uns herum nur Überlebende. Unsere Eltern, deren Freunde. Ich habe so viele Geschichten gehört, ich müsste eigentlich ein Buch darüber schreiben“, erzählte der in New York lebende Nathan Batalion. Sein Cousin Ranaga Farbiarz, Künstler mit Wohnsitz in Arkansas, hat ähnliches erlebt. Er entschied als Vierjähriger, gerade in den USA angekommen, dass er kein Deutsch mehr sprechen wollte. „Obwohl meine Eltern mir damals eigentlich gar nichts erzählten, hatte ich einfach schon genug mitbekommen.“

Seit zwei Monaten wissen sie von ihrer Halbschwester

Eine Reise nach Deutschland ist auch immer eine schwere Reise. Aber ein besonderes Familientreffen in Berlin war der Anlass, sich den vielen Erinnerungen zu stellen: „Wir haben in Berlin unsere Halbschwester getroffen. Vor zwei Monaten haben wir überhaupt erst erfahren, dass wir eine Halbschwester haben.“ Lea Dror-Batalion berichtete, dass ihre Schwester, wie sie selbst auch, in Israel lebt und erst mit 45 Jahren herausgefunden hatte, dass ihr Vater nicht der leibliche Vater war. Sie erfuhr, wie er hieß, hatte aber nicht den Mut, nach ihm zu suchen.

Ein Ausstellungsprojekt über den Vater

Es war der Enkel, der den Namen des leiblichen Vaters – Samuel Milek Batalion – im Internet suchte und dabei sofort die Website von Lea Dror-Batalion und ihres spannenden Projekts fand. Neugierig geworden durch Fotos im Nachlass ihres Vaters, hatte Lea Dror-Batalion, die bis zu ihrer Pensionierung an der Universität Haifa arbeitete, vor einigen Jahren begonnen, dem Wirken des Vaters in Darmstadt ab 1947 nachzuspüren. Samuel Milek Batalion war dort Gründer und Direktor der Berufsfachschule Masada gewesen, in der Holocaust-Überlebende eine Ausbildung erhielten, um sie auf ein Leben in Israel vorzubereiten. Sie hat aus Fotos, aber auch Dokumenten aus dem ITS und vielen Recherchesplittern eine Wanderausstellung erarbeitet, die bereits in zahlreichen Schulen und Universitäten in Deutschland und Israel zu sehen war (www.batalion.net/BetarSchool). So führte dieses Projekt über den gemeinsamen Vater auch noch die Halbgeschwister zusammen.

Beeindruckt vom ITS-Archiv

Lea Dror-Batalion hat für ihre Ausstellung viele Male die Abteilung Forschung und Bildung beim ITS kontaktiert, um Lebensläufe von Schülern der Masada-Schule nachzuzeichnen. Dabei waren ihr die Auskünfte über die jeweiligen Verfolgungswege eine große Hilfe. Doch war dies nun der erste Besuch von Lea Dror-Batalion beim ITS in Bad Arolsen, auch Nathan Batalion und Ranaga Farbiarz hatten bisher nur vom ITS gehört. Sie nutzten den Aufenthalt zu Recherchen über Familienangehörige und waren tief beeindruckt vom Umfang der erhaltenen Dokumente, sowohl aus der NS-Zeit als auch aus den Jahren nach 1945. Diese betreffen ihre eigenen Wurzeln im Nachkriegsdeutschland. „Wir waren die ersten jüdischen Kinder, die nach der NS-Zeit in Darmstadt geboren wurden“, so Lea Dror-Batalion. „Damit symbolisieren wir das neue jüdische Leben.“