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Endlich die Wahrheit über den Urgroßvater

Bild zeigt: Carmen Eckhardt und eine ITS-Mitarbeiterin
ITS-Mitarbeiterin Bianka Geißler zeigt Carmen Eckhardt die Dokumente über ihren Urgroßvater Viktor Kunz.

Durch eine Anfrage beim International Tracing Service (ITS) kam die Dokumentarfilmerin Carmen Eckhardt einer totgeschwiegenen Familiengeschichte auf die Spur. Über ihren Urgroßvater war in ihrer Jugend nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen worden. Sie hatte gehört, er sei verschollen; es hieß sogar, er sei ein „Verräter“ gewesen. Inzwischen weiß sie eine Menge über sein Schicksal, denn sie hat es akribisch nachgezeichnet und dreht derzeit den Dokumentarfilm „Viktors Kopf" über diese Spurensuche. Am 11. Dezember 2014 führte sie ihr Projekt zu einem Besuch nach Bad Arolsen, um dort zu filmen, wo ihre Suche begann. „Ich brauchte einige Zeit für den Entschluss, aus dieser persönlichen Spurensuche einen Film zu machen“, berichtet die Dokumentarfilmerin, die sich in ihrer Arbeit schon mehrfach mit dem Nationalsozialismus beschäftigt hat. Im Kontext ihres aktuellen Projektes und über die Biographie ihres Urgroßvaters hinaus interessiert sie sich besonders dafür, wie Traumata in Familien in der zweiten und dritten Generation nachwirken.  

Als Widerstandskämpfer enthauptet

Der in Frankreich geborene Viktor Kunz war Kommunist und ein erbitterter Regimegegner, der unter anderem Flugblätter druckte und verteilte. Er musste nach einigen Verhaftungen im Untergrund leben. Ein Sabotageversuch misslang, er wurde inhaftiert und kam vor den Volksgerichtshof in Berlin. Victor Kunz ist einer von den circa 2.600 Nazigegnern, der von dem gefürchteten Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, zum Tode verurteilt wurde. Vollstreckt wurde das Urteil - Tod durch die Guillotine - am 17. August 1943 in Stuttgart. 

Original-Dokumente über das Schicksal

Bianka Geißler, Mitarbeiterin im Team Forschung und Bildung beim ITS, zeigte und erklärte Carmen Eckardt die vielen Dokumente über ihren Urgroßvater. Neben den Abschriften der Anklageschrift und des Urteils werden in dem Archiv fünf Originalkarten von verschiedenen Gestapostellen bewahrt. Kameramann Gerado Milsztein filmte das Gespräch und später auch die Archivräume des ITS. 

Im Gespräch mit Schülern

Zufällig ergab sich die Situation, dass Carmen Eckhardt mit einigen Schülerinnen und Schülern der Christian-Rauch-Schule ins Gespräch kam, die zuvor im Rahmen einer Projektwoche im ITS als außerschulischem Lernort gearbeitet hatten. Eines ihrer Themen war der französische Widerstand gewesen. Carmen Eckardt erzählte den Jugendlichen von ihrer Recherche und tauschte sich mit ihnen darüber aus, was es für heutige Generationen bedeutet, sich mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. Sowohl für Carmen Eckhardt als auch für die Schülerinnen und Schüler war dieses zufällige Zusammentreffen besonders eindrucksvoll.

Über das Projekt „Viktors Kopf
www.viktorskopf.de