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Familienrecherche für die nachfolgenden Generationen

Bild zeigt: Familie Löwenstein bei Ihrem Besuch beim ITS
Gerd Löwenstein erhält Unterlagen vom ITS die sein bisheriges Wissen über seine Familie ergänzen.

Das Schicksal seiner Familie führte Gerd Löwenstein Mitte Mai 2012 zum International Tracing Service (ITS) nach Bad Arolsen. „Meine Kinder und Enkelkinder haben Fragen zu unserer Familie gestellt“, so Löwenstein. „Beim ITS haben wir durch die Transportlisten, Devisenerklärungen und Karteikarten genauere Informationen erhalten.“

Gerd Löwenstein wurde am 8. Juni 1931 in Düsseldorf geboren. Seine katholische Mutter Adelheit und sein jüdischer Vater Simon Robert wanderten mit ihm 1938 in die Niederlande aus. Die Familie flüchtete so zunächst vor den Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten. „Das war das Beste, was meine Eltern machen konnten“, kommentiert Löwenstein. Während der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung wurden Beziehungen zwischen Juden, die mit einem „arischen“ Partner verheiratet waren, als „Mischehen“ bezeichnet. Bis kurz vor Kriegsende blieben zumindest die meisten dieser Familien von Deportationen verschont und entgingen so dem Völkermord.

Anders erging es seinen jüdischen Tanten und Onkeln. „Das Schicksal meiner Angehörigen war uns bekannt“, berichtet der 80-Jährige. „Sie wurden nach Westerbork, Theresienstadt und Auschwitz deportiert.“ Er kann sich erinnern, dass seine Eltern Pakete nach Theresienstadt schickten. „Auf die ersten Sendungen folgten noch Empfangsbestätigungen“, weiß er. „Doch dann blieben diese aus.“

Die Dokumente beim ITS ergänzen das Wissen über seine Familie. Zurück in Australien, dorthin emigrierte er 1959, will er seinen Kindern und Enkelkindern die Kopien zeigen und sie gemeinsam mit ihnen studieren. „Wenn Menschen von der Brutalität der Nationalsozilisten erfahren, wird der Holocaust nicht vergessen“, unterstreicht Löwenstein.

Einige Namen auf einer Transportliste des Durchgangslagers Westerbork nach Auschwitz, auf der auch sein Onkel Albert Anton steht, kommen ihm bereits bekannt vor. „Das waren Nachbarn oder Bekannte von uns in Holland.“ Diesen Schicksalen will er nochmal gesondert nachgehen. Er selbst bezeichnet sein Leben und das seiner Eltern während der Verfolgung als „etwas leichter“. „Mein Vater musste zeitweise untertauchen. Doch dann war er bis zur nächsten Flucht wieder da.“