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Gemeinsame Spurensuche von Sohn und Enkeln

Bild zeigt: Steve Stulman und seine Tochter bei ihrem Besuch
Auf den Spuren der Familiengeschichte besuchte Steve Stulman mit drei seiner erwachsenen Kinder den ITS

Auf den Spuren der Familiengeschichte ist Steve Stulman aus New York zum International Tracing Service (ITS) nach Bad Arolsen gemeinsam mit drei seiner erwachsenen Kinder gekommen. Die Familie schaute sich im Archiv Originaldokumente an, besuchte die Geburtsstadt der Mutter und die Gedenkstätte Breitenau. In dem Arbeitslager war im Juni 1941 der Urgroßvater gestorben. „Dieses Programm ist vor allem für sie“, sagte Stulman mit Blick auf seine Kinder.

„Der Schutzhaftgefangene Salomon Kron ist heute um 16 Uhr auf der Wiese während der Arbeit gestorben“, heißt es im Dokument aus dem Arbeitslager Breitenau. Kron stammte aus Wolfhagen in Nordhessen, war dort 1869 geboren und unterhielt ein Geschäft. Nach dem Novemberpogrom 1938 war er gezwungen, sein Eigentum zu verkaufen und nach Kassel zu ziehen. Von dort aus wurde er am 11. April 1941 ins nur 15 Kilometer entfernte Lager Breitenau eingeliefert. Die harte Arbeit und die schlechten Haftbedingungen überlebte der damals 71-Jährige gerade einmal zwei Monate.

Dem Sohn Theodor Kron gelang im August 1938 noch die Ausreise nach New York. Acht Monate später holte er seine Frau Auguste und seine Tochter Elga nach. „Unsere Großeltern haben nicht viel gesprochen über die Zeit damals“, erinnert sich Stulmans Tochter Laura. „Wir fragten nicht, und sie sprachen nicht.“ Umso intensiver studiert die Generation der Enkel jetzt die Dokumente. Steve Stulman hat bereits zwei Ordner gesammelt, gefüllt mit Fotos, Briefen und Dokumenten. Der letzte Fund war eine Woche zuvor ein Augenzeugenbericht über das Novemberpogrom in Wolfhagen aus dem Leo Baeck Institut, in dem auch die Erstürmung des Wohnhauses und des Ladens der Kron-Familie erwähnt wird.

„Wir waren meinen Großeltern sehr nah“, schildert Laura. Theodor Kron habe als Arzt rund um die Uhr gearbeitet, aber auch zu leben verstanden. „Es ist meine Familie, meine Geschichte. Das ist sehr dicht dran, wenn ich diese Dokumente sehe.“