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„Mehr als nur die Namen“

Ute Hoffmann ist Leiterin der Gedenkstätte Bernburg, die an den nationalsozialistischen Massenmord an Kranken und Behinderten erinnert. Anfang November 2016 recherchierte sie vier Tage beim ITS.

Wonach recherchieren Sie im Archiv des ITS?

Ich bin hier, um Informationen über die KZ-Häftlinge zusammenzutragen, die im Rahmen der „Sonderbehandlung 14 f 13“ in der Gasmordanstalt Bernburg getötet wurden. Wir planen eine neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte, bei der ich mehr als nur die Namen zeigen möchte.

Insgesamt haben die Nationalsozialisten in der Tötungsanstalt Bernburg mehr als 14.000 Menschen umgebracht. Wie viele davon waren KZ-Häftlinge?

Das waren ungefähr 2.500 Menschen. Die Namen kennen wir von Transportlisten.

Welche Art von Dokumenten schauen Sie sich an?

Ich habe mir einen Überblick über die Bestände zu den Konzentrationslagern Flossenbürg, Sachenhausen, Neuengamme und Buchenwald verschafft und arbeite nun die Namenslisten auf der Suche nach individuellem Material durch. Nach Briefen zum Beispiel, aber auch nach Todesurkunden mit den falschen Angaben zu Todesdaten und den angeblichen Todesursa­chen wie Lungenentzündung. Und dann sind hier ja auch die Anfragen, die nach 1945 an den ITS gerichtet wurden, mit den Angaben der Angehörigen.