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Glossar

  • Sachdokumente

    Im Gegensatz zu den personenbezogenen Dokumenten im Archiv des ITS enthalten die Sachdokumente im Regelfall keine Angaben zu Einzelschicksalen, sondern liefern Informationen über die Organisation und Struktur der NS-Verfolgung, wie zum Beispiel über das Lagersystem oder Verfolgungsmaßnahmen.

  • Sammellager

    In Sammellagern wurden Menschen konzentriert, um sie anschließend in großen Gruppen in andere Lager zu transportieren.

  • Sammellager für Juden

    Es existierten spezielle "Sammellager für Juden". Sie wurden eingerichtet, um die jüdische Bevölkerung zu isolieren und zu konzentrieren, bevor sie im Anschluss in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurde.

  • Schreibstubenkarte

    Die Schreibstubenkarte wurde für Häftlinge bei ihrer Ankunft in Konzentrationslagern angelegt und beinhaltet über die Personalien hinaus noch Einlieferungs- und Überstellungsdaten.

  • Schutzhaft

    Abkürzung: Sch.H.

    Am 4. Februar 1933 wurde die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes“ erlassen, welche eine Schutzhaft im Interesse der öffentlichen Sicherheit bis zu drei Monate zuließ. Verschärft wurden die Regelungen mit dem Schutzhafterlass vom 25. Januar 1938. Dieser ermöglichte eine zeitlich unbegrenzte Schutzhaft, die vor allem gegen Regimegegner und Minderheiten angewandt wurde. Es wurde ein Schutzhaftbefehl ausgestellt, der Personalien, Angaben zum Wohnort sowie den Grund für die Schutzhaft enthielt.

  • Schutzhaftlager

    Zur Durchführung der "Schutzhaft" wurden in den Polizeigefängnissen und in den Gestapogefängnissen, teilweise auch in regulären Gefängnissen und Zuchthäusern, "Schutzhaftabteilungen" eingerichtet. Ein Großteil der dort Inhaftierten wurde nach einiger Zeit in Konzentrationslager abtransportiert.

  • Schutzstaffel

    Abkürzung: SS

    Die SS (Schutzstaffel) war das wichtigste Terror- und Unterdrückungsorgan des NS-Regimes. Sie wurde 1934 zu einer eigenständigen Organisation der NSDAP erhoben, erlangte die Kontrolle über das Polizeiwesen und bildete militärische Verbände. Die SS war ab 1934 auch für den Betrieb der Konzentrationslager verantwortlich.

  • Service Watson

    Service Watson war eine 1939 gegründete internationale Rot-Kreuz-Organisation. Ihre Aufgabe bestand darin, Listen von Häftlingen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern mit IBM/Hollerith Lochkarten-Systemen zu erstellen, die Hilfssendungen und Carepakete des Roten Kreuzes erhalten hatten. Der Service wurde nach Thomas J. Watson, dem Präsidenten von IBM, benannt.

  • Sicherheitsdienst

    Abkürzung: SD

    Der Sicherheitsdienst wurde am 5. Oktober 1931 als Nachrichtendienst der SS gegründet. Aufgabe war zunächst die Beobachtung und Ausspähung der gegnerischen Parteien, später auch die Verfolgung der Juden.

  • Sicherheitspolizei

    Abkürzung: SiPo

    Auch als Hauptamt der Sicherheitspolizei bezeichnete Behörde, in der Gestapo und Kriminalpolizei zusammengefasst waren. 1939 wurden mit der Gründung des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) die SiPo und der SD zusammengelegt, die Bezeichnungen existierten aber weiter. Die SiPo war direkt dem Reichsführer-SS unterstellt.

  • Sicherheitsverwahrung

    Die Sicherheitsverwahrung ermöglichte den Nationalsozialisten nach dem „Gewohnheitsverbrechergesetz“ (Gesetz vom 24. November 1933) eine Inhaftierung unabhängig von der im Gerichtsurteil festgelegten Dauer. Sie konnte beliebig eingesetzt werden, um gegen Oppositionelle vorzugehen.

  • Sonderstandesamt

    Todesfälle von Häftlingen in Konzentrationslagern wurden teilweise in Sterbebüchern festgehalten und durch ehemalige Lagerstandesämter oder Standesämtern vor Ort beurkundet. Nicht beurkundete Sterbefälle werden, wenn es eindeutige Hinweise auf den Tod eines Angehörigen in den Dokumenten im Archiv des ITS gibt, vom Sonderstandesamt Bad Arolsen nachbeurkundet. Das Sonderstandesamt wurde auf Anregung des ITS am 1. September 1949 eingerichtet. Das Land Hessen ist für das Sonderstandesamt zuständig.

  • SS-Sonderlager

    Die SS-Sonderlager gelten als Vorformen der nationalsozialistischen Arbeitserziehungslager. Insgesamt wurden ab Ende 1939 acht solcher Polizeihaftlager eingerichtet. Die Organisation Todt (OT) nutzte sie im Zuge der Errichtung des Westwalls als Repressionsinstrument zur Disziplinierung der deutschen Westwallarbeiter.

  • Staatsangehörigkeit

    Die Staatsangehörigkeit von Verfolgten, Zwangsarbeitern und Displaced Persons lässt sich anhand der Dokumente im Archiv des ITS nicht immer einwandfrei feststellen. Die Deutschen nutzten "rassische" Begriffe, wie Jude, auch als nationale Identität oder kategorisierten osteuropäische Zwangsarbeiter nur mit der Bezeichnung "Ost". Für die Überlebenden (Displaced Persons) war die Festlegung der Staatsangehörigkeit aufgrund der enormen Grenzverschiebungen infolge des Zweiten Weltkrieges ebenfalls problematisch. Insofern kann es in Unterlagen von Displaced Persons etwa zur Angabe Polen/Ukraine kommen.

  • Stammlager

    Abkürzung: Stalag

    Die historische Forschung zählt mindestens 24 sogenannte Stammlager zum nationalsozialistischen Lagersystem. Sie fungierten als übergeordneter Verwaltungssitz für die über 1.000 Außenlager. Organisatorisch waren sie der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) unterstellt. Die vom KZ-Kommandanten Theodor Eicke im Oktober 1933 im KZ Dachau eingeführte Lagerordnung führte zu einer ersten Systematisierung und diente als Grundlage zur Etablierung eines einheitlichen KZ-Systems, welches auf den Stammlagern fußte.

  • Strafgefangenenlager

    Schon vor der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Arbeit als ein fester Bestandteil des Strafvollzugs angesehen. Die Nationalsozialisten deuteten die Idee der Strafarbeit im Vollzug jedoch zu ihrem Nutzen um und passten sie ihren Vorstellungen an. Die Häftlinge in den Strafgefangenenlagern mussten tagtäglich schwerste Arbeiten verrichten und waren der willkürlichen Gewaltanwendung der Bewacher ausgesetzt. In den sogenannten Emslandlagern wurden die Strafgefangenen zur Kultivierung der Moore eingesetzt. Andere mussten im Straßen- oder Brückenbau arbeiten. In den letzten Kriegsmonaten ab Herbst 1944 leisteten die meisten Arbeitseinsatz in der Rüstungsindustrie.

  • Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force

    Abkürzung: SHAEF

    Hauptquartier der alliierten Streitkräfte in Nordwesteuropa von Ende 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Das SHAEF wurde am 14. Juli 1945 in Frankfurt am Main aufgelöst.