a A

„Eine Sozialgeschichte des Holocaust“

Dan Stone, Professor für moderne Geschichte an der Royal Holloway University of London, hat vier Wochen im Archiv des ITS für sein von der Leverhulme-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt „Tracing the Holocaust“ gearbeitet.

Worum geht es bei Ihrem Forschungsprojekt?

Der erste Teil wird eine kleine institutionelle Geschichte über den ITS. Daran anknüpfend möchte ich anhand der ITS-Dokumente eine Geschichte des Holocaust schreiben, die nicht von den Obrigkeiten ausgeht, eine Sozialgeschichte des Holocaust. Dafür bietet der ITS viel Material. Es geht mir unter anderem um die Betrachtung europäischer Geschichte als ge­meinsame Geschichte und nicht allein aus nationalen Perspektiven. Das ist auch im heuti­gen politischen Kontext von Bedeutung. Der Aufstieg des Rechtspopulismus in Europa be­weist, dass nationalsozialistische Denkmuster heute nicht nur ein deutsches Problem sind.

Konnten Sie aufschlussreiche Dokumente finden?

Ja, interessant sind zum Beispiel Kopien von Briefen Überlebender aus der damaligen Tschechoslowakei, die von den Nazis als „Halbjuden“ verfolgt und deportiert wurden. Nach 1945 schrieben sie an Mitarbeiter der IRO, dass sie in ihrem eigenen Land verfolgt würden. Es finden sich Schilderungen ihrer Lebensumstände in den Briefen.