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Interview Hans-Peter Saal

Hans-Peter Saal, Projektleiter Logistik der Grohmann Logistik GmbH aus Berlin, erklärt, wie sein Unternehmen bei dem gigantischen Umzug des ITS-Archivs in das Ausweichmagazin vorgegangen ist.

Sie machen Umzüge von Firmen, Laboren, Lagern und vielem mehr – war der Archivumzug des ITS in ein Zwischenlager eine Standardsache für Sie?

Nein, es handelt sich bei der Verlagerung eines Archivs nicht um eine klassische Transportleistung. Das ist schon eine besondere Aufgabe.

Warum?

Es war wichtig, die bestehende archivische Ordnung zu bewahren, um alle Dokumente weiter benutzbar zu halten. Jede archivische Ordnung geht von der vorgegebenen Struktur des Schriftguts aus. Darin liegt auch die Besonderheit des ITS-Archivs als Such- und Anlaufstelle für Überlebende und Angehörige von Opfern der NS-Verfolgung.

Sie mussten beim Verpacken und Transportieren also nicht nur darauf achten, dass der Dokumentenbestand einwandfrei erhalten bleibt, sondern auch dessen Struktur?

Richtig. Diese Ordnung ist Teil der Geschichte des ITS und muss deshalb mit der Verlagerung in das Ausweichmagazin bestehen bleiben. Der Erfolg oder besser die Qualität eines Archivumzuges ist von der unbeschädigten Verlagerung der archivischen Ordnung abhängig.

Und das bei einem so großen Archiv: Es handelt sich ja um 30 Millionen Originaldokumente und mehr als 50 Millionen Hinweiskarten!

Ja, bei überschaubaren Beständen können menschliche Auffassungsgabe und Erinnerungsvermögen noch manches korrigieren – bereits bei mehreren tausend Dokumenten ist das jedoch nicht mehr möglich....

Eine heikle Aufgabe – wie haben Sie das gemacht?

Wir haben eine detaillierte Logistikplanung erstellt, deren Ausführung ausschließlich für Archivverlagerungen qualifiziertes Fachpersonal übernommen hat. Auch die Transporttechnologie haben wir auf genau diese Aufgabe zugeschnitten.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Um die bestehende Ordnung zu bewahren, wurden zum Beispiel 529 einzelne Umzugsportionen gebildet, die die thematische und inhaltliche Gliederung des Archivs widerspiegeln. Auf dieser Grundlage entstand ein Findsystem für das Ausweichmagazin, das nicht mehr auf das lokale Gedächtnis der Archivmitarbeiter angewiesen ist. Der innere Zusammenhang jeder Umzugsportion – aus einem oder mehreren hundert Ordnern oder Archivboxen – blieb beim Transport erhalten. Bisher voneinander getrennt aufbewahrte, aber inhaltlich zusammengehörende Archivgruppen haben wir dabei wieder zusammengeführt.

Da hatten Sie ja einiges zu tun...

In der Tat. Die physische Leistung der Fachkräfte und die logistische Dimension waren bei diesem Umzug enorm. Wir haben rund 70 Schränke bewegt, die zusammen etwa 13,3 Tonnen wiegen, und zwar pro Tag. Dazu kommen die rund zehn Tonnen des Bestands aus Archivboxen, Ordnern und Kassetten

Das Ergebnis hat man nun im Zwischenlager eindrucksvoll vor Augen

Ja, die Dimension der Verlagerung ist im Ausweichmagazin erstmalig sichtbar geworden, alle bisher an verschiedenen Standorten aufbewahrten Archivalien stehen dort kompakt auf einer Fläche. Mit dem Abschluss der Verlagerung steht dem ITS ein Ausweichmagazin zur Verfügung, das sich klima- und sicherheitstechnisch auf einem besseren Stand als bisher befindet. Die kompakte und gut zugängliche Aufstellung bietet alle Voraussetzungen, den Bestand auf die abschließende Rückverlagerung vorzubereiten, wenn der Magazin-Neubau am historischen Standort Jahnstraße abgeschlossen ist.