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Unerwarteter Anruf aus Arolsen

Miroslaw Wozniewicz ist der Sohn eines Überlebenden des Konzentrationslagers Neuengamme. Im August 2017 erhielt er die persönlichen Gegenstände seines Vaters zurück, die einst in der Effektenkammer des KZ verwahrt worden waren. Malgorzata Przybyla, Mitarbeiterin des International Tracing Service (ITS), besuchte die polnische Familie in Jeziora Wielkie bei Bydgoszcz. Der polnische TV-Sender TVN begleitete die Effektenübergabe.

„Ich freue mich, dass auf diese Weise ganz Polen die Geschichte meines Vaters kennenlernt, denn er war ein ganz besonderer Mensch“, so Miroslaw Wozniewicz. Vorsichtig nimmt er die Utensilien seines Vaters in die Hand: ein Kamm, eine Krawatte, ein Portemonnaie, Papiere… Es sind die Sachen, die Stanislaw Wozniewicz bei seiner Verhaftung am 8. August 1944 bei sich getragen hatte. „Ich vermute, dass er verhaftet wurde, weil er ein polnischer Patriot war. Er hatte schon als junger Mann an dem Großpolnischen Aufstand 1918-1919 gegen die Deutschen teilgenommen.“

Zunächst wurde Stanislaw Wozniewicz in Inowroclaw (Hohensalza) eingesperrt, bevor ihn die Nationalsozialisten noch am 20. Januar 1945 ins Konzentrationslager Neuengamme deportierten und dort unter der Häftlingsnummer 70508 registrierten. Der damals 44-Jährige überlebte den Krieg und kehrte zu seiner Familie nach Polen zurück. Über die Zeit des Krieges sprach er nur wenig.

Der ITS bemüht sich intensiv um die Rückgabe der persönlichen Gegenstände ehemaliger KZ-Häftlinge. Mindestens 650 Effekten von polnischen Häftlingen lagern noch im Archiv. „Ich war sehr überrascht über den Anruf des ITS. Ich habe das Gefühl, dass mein Vater dies aus dem Himmel gesteuert hat“, sagt Miroslaw Wozniewicz. „Seine persönlichen Gegenstände haben für meine Familie einen unermesslichen Wert. Wir werden besprechen, auf welche Art wir die Sachen aufbewahren. Sie sollen einen besonderen Platz bekommen.“