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Bindeglied zwischen den Generationen

Didier Vignolles hat den International Tracing Service (ITS) besucht, um die Originaldokumente aus dem Konzentrationslager Buchenwald zum Schicksal seines Urgroßvaters Guillaume Carles zu sehen. Zusammen mit zwei Kameraden war der Franzose Anfang 1943 verhaftet worden, da sie in ihrer Heimatgemeinde Langon eine geheime Zelle der kommunistischen Partei gegründet hatten. Sie wurden in französischen Gefängnissen inhaftiert. Über das Gefangenenlager in Compiègne deportierten die Nazis die Regimegegner nach Buchenwald. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Sophie Gachet will Didier Vignolles nun den Spuren folgen: „Bei unserem Deutschlandbesuch ist es uns wichtig, den ITS und die Gedenkstätte in Weimar zu besuchen.“

Sein Urgroßvater war bei der Verhaftung bereits 60 Jahre alt. Er überlebte die 15 Monate Haft im KZ Buchenwald. Im Archiv des ITS gibt es verschiedene Dokumente zu seinem Schicksal – darunter Häftlingspersonalkarten, Effektenkarten, Arbeitskarten sowie unterschiedlichste Listen. „Ich kannte meinen Urgroßvater, war allerdings noch sehr jung als er starb“, erzählt Didier Vignolles. „Ich kann mich daran erinnern, dass er nach der Haft ein Schatten von sich selbst war.“

Im Frühjahr 2017 begann er mit Recherchen über das Unrecht und Leid von Guillaume Carles und erhielt schnell Auskunft: „Ich hatte während der letzten Wochen zwei sehr emotionale Momente“, erzählt er. „Der erste war, als ich am Computer saß und die E-Mail vom ITS mit den Dokumentenkopien erhielt – noch emotionaler war der Moment als ich die Originale sah.“

In der Familie wurde über das Schicksal des Urgroßvaters wenig gesprochen. Nur seine Mutter hat ein paar Erinnerungen geteilt. Doch Didier Vignolles war die persönliche Familiengeschichte zu wichtig und wollte es nicht dabei belassen: „Ich will die Geschichte an meine Kinder und Enkelkinder weitergeben. Ich fühle mich als Bindeglied zwischen den Generationen, das für die Erinnerung an die Opfer der NS-Verfolgung sorgt.“ Er plant, seine Forschung im Internet zu veröffentlichen. Er hat sich die Dokumente beim ITS detailliert erklären lassen, um sie richtig lesen und interpretieren zu können, aber auch damit andere Personen von seinen Nachforschungen profitieren. „Ich möchte verstehen und andere ermuntern ihre Familiengeschichte zu recherchieren.“