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Die Odyssee einer Familie

Jedes der drei Kinder des polnischen Landwirts Anastazy Abramczyk und seiner Frau Kleopatra wurde in einem anderen Land geboren. Ihre Lebensgeschichte ist eine Odyssee, in die sie aufgrund politischer Verfolgung gerieten. 

Am 25. November 1947 stellte die Familie in Beirut einen Antrag auf Unterstützung an die International Refugee Organization. Ein Dokument im Archiv des ITS erzählt die Geschichte ihrer Verschleppung und Migration. Die Familie verlor ihre Heimat, als Polen 1939 zum Spielball der Interessen Nazideutschlands und der Sowjetunion wurde.

Im sogenannten Hitler-Stalin-Pakt hatten die beiden Länder unter anderem vereinbart, Polen unter sich aufzuteilen. Wenige Wochen, nachdem die Deutschen die westlichen Gebiete Polens annektierten, übernahm die Sowjetunion die östlichen Teile. In den kommenden zwei Jahren wurden mehr als eine Millionen Polen in die Sowjetunion deportiert. Unter ihnen waren auch Anastazy und Kleopatra Abramczyk, mit ihrer kleinen Tochter Nadzieja.  

Über das Schicksal der Familie in den folgenden Jahren wissen wir wenig, außer dass sie nach Werchnjaja Toima im Verwaltungsbezirk Archangelsk kamen, wo die Eltern Zwangsarbeit leisten mussten. Die Bedingungen in den Lagern waren von harter Arbeit, Hunger und mangelnder medizinischer Versorgung bestimmt. Viele der verschleppten Polen starben. 

Als die Deutschen im Juli 1941 den Nichtangriffspakt brachen und in die Sowjetunion einmarschierten, schlossen sich die Sowjets mit den Alliierten zusammen. Die polnischen Gefangenen erhielten infolgedessen eine Amnestie. 116 000 von ihnen wurden in den besetzten Iran gebracht. Auch die Familie Abramczyk kam im August 1942 nach Teheran. Doch dort gab es Probleme mit der Versorgung der vielen Flüchtlinge. 

Ab Sommer 1942 begannen deshalb andere britische Kolonien Polen aus dem Iran aufzunehmen. Die Familie Abramczyk kam ein knappes Jahr nach der Geburt der zweiten Tochter Maria am 5. Februar 1946 nach Beirut im Libanon. Hier wurde im November 1946 ihr Sohn Jerzy geboren. 

Im Juli 1950 versuchte die Familie von England nach Kanada auszuwandern. Anastazys Schwägerin war bereits dort und hatte Hilfe versprochen, um dort Fuß zu fassen. Nach Polen wollten die Abramczyks nicht wieder zurückkehren, aus Angst, erneut verhaftet zu werden. Die Sowjets hatten ihre Deportation damit begründet, politische Dissidenten zu sein. 

Die Akten der Familie Abramczyk finden Sie in unserem Online-Archiv.