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Im Gedenken an Eugene Black

Der Holocaust-Überlebende Eugene Black ist am 26. September 2016 in Leeds, West Yorkshire, im Alter von 88 Jahren gestorben. Durch sein Engagement für die Holocaust Survivors’ Friendship Association (Freundeskreis von Holocaust-Überlebenden) und Besuchen in Bad Arolsen gab es ein enges Band zwischen dem Team des International Tracing Servie (ITS) und Eugene Black.

Eugene Black kam als Jeno Scwarcz 1928 in der tschechoslowakischen, später zu Ungarn gehörenden Stadt Mukačevo zur Welt und wuchs mit vier Geschwistern auf. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 begannen die Nationalsozialisten mit der systematischen Ermordung der ungarischen Juden. Eugene Black wurde mit seinen Schwestern und Eltern am 14. Mai 1944 von der SS nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort sah er seine Familie zum letzten Mal. Er wurde zur Zwangsarbeit eingeteilt und kam über das KZ Buchenwald in das KZ Mittelbau-Dora, wo er in den Stollen bei der Produktion der V1- und V2-Raketen Sklavenarbeit leisten musste: Nach einigen Monaten der Unterernährung und Ausbeutung erkrankte er schwer und verdankte einem mitfühlenden deutschen Arzt sein Überleben.

Die Befreiung durch die britische Armee erlebte er nach weiteren erniedrigenden und qualvollen Stationen im KZ Bergen-Belsen. Im Alter von 17 Jahren stand er ohne Familie und Perspektive vor dem Nichts. Zunächst arbeitete er für die britische Armee als Übersetzer und lernte dort seine spätere Frau kennen. 1949 ging er nach Großbritannien, fand eine Arbeit und begann seine berufliche Karriere. Er heiratete und bekam mit seiner Frau Annie vier Kinder. Erst in den 1990er Jahren fing er an, sich mit dem Holocaust und seinen eigenen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Mit seiner Tochter Lilian engagierte er sich in der Holocaust Survivors’ Friendship Association. Es war ein dringendes Anliegen von Eugene Black, jungen Menschen als Zeitzeuge davon zu berichten, welche Folgen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassenhass haben.

Lilian und Eugene Black kamen zum ITS, um sich die NS-Dokumente über sein Schicksal anzusehen. Darüber sagte er später: „Es macht einen großen Unterschied, zu sehen, dass das, womit ich gelebt habe, wahr ist. Weil es dort schwarz auf weiß dokumentiert ist. Ich kann nicht erklären, was es bedeutet, endlich diese schreckliche Erfahrung in meinem Leben abzuschließen.“ Eugene Black fand beim ITS zudem Dokumente über das Schicksal seiner zwei Schwestern. Er hatte angenommen, dass sie in den Gaskammern von Auschwitz gestorben seien. Aus Dokumenten erfuhr er, dass sie zur Zwangsarbeit selektiert worden und in ein Außenlager des KZ Buchenwald nach Gelsenkirchen gebracht worden waren. Dort starben sie im September 1944 mit 150 anderen ungarischen Jüdinnen bei alliierten Bombenangriffen auf die Gelsenberg Benzin AG, weil die SS den Frauen den Zutritt zu den Luftschutzkellern verboten hatte. Die Umstände ihres Todes setzten Eugene Black zu, doch war ihm das Wissen wichtig, und er reiste zu Gedenkfeiern für die Opfer.

Der ITS hat für die Holocaust Survivors’ Friendship Association eine Reihe von Schicksalen recherchiert. Über die Aussagekraft der Dokumente sagte Eugene Black: „Wenn unsere Mitglieder während der Vorträge ihre Dokumente zeigen, sind die Menschen einfach nur erstaunt über die detaillierte Erfassung in den Lagern, die Häftlingspersonalkarten, die Transportlisten und sogar Krankenberichte. Dies regt die jungen Menschen zum Nachdenken an. Sie sehen die Dimension des Holocausts, wie dieser passieren konnte, wer ihn ausführte und warum. Diese Dokumente verwenden zu können, hat den Vorträgen eine andere und zugleich wichtige Beweiskraft verliehen.“

Im Sinne von Eugene Black und gemeinsam mit seiner Tochter Lilian wird der ITS die Arbeit der Holocaust Survivors’ Friendship Association weiter unterstützen. Den ITS- Mitarbeitern, die ihn persönlich kennengelernt haben, wird Eugene Black im Gedächtnis bleiben: als aufrichtiger, engagierter und lebensbejahender Mensch.