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Im Transport nach Auschwitz fängt kein Leben an...

Luise Brand ist 27 Jahre alt, als sie am 4. August 1944 aus Polen in das KZ Buchenwald verschleppt wird – und im sechsten Monat schwanger. Drei Wochen später wird sie für „arbeitsunfähig“ erklärt und ihr Name auf eine Liste zum Transport nach Auschwitz gesetzt.

Als polnische Jüdin war Luise Brand bereits zuvor in Kamienna als Zwangsarbeiterin in der dortigen Munitionsfabrik der „Hugo und Alfred Schneider Aktiengesellschaft“ (HASAG) ausgebeutet worden. Der größte Rüstungskonzern Sachsens setzte in der Produktion im Deutschen Reich und im besetzten Polen massiv Zwangsarbeiterinnen ein, die in Lagern in Fabriknähe untergebracht waren. Als die Fabrik in Kamienna am 1. August 1944 geschlossen wurde, transportierte die SS die für noch arbeitsfähig befundenen Häftlinge nach Leipzig. So entstand im Sommer 1944 neben dem Fabrikgelände mit über 5.000 weiblichen KZ-Häftlingen das größte Frauenaußenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen im Lager sind hart. Wer als „einsatzunfähig“ gilt, wird abtransportiert. Auf einer Transportliste vom 27. August 1944 findet sich Luise Brands Name neben 73 weiteren: 14 jüdische Mütter mit ihren Kindern, 31 Frauen, die aufgrund verschiedener Krankheiten für „arbeitsunfähig“ erklärt werden, sechs Jugendliche zwischen 13 und 16, die „infolge ihres schwachen Körperbaus im hiesigen Lager“ als „nicht einsatzfähig“ gelten - und fünf Schwangere. Das Ziel des Transports ist handschriftlich geändert worden: Statt in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück soll der Transport nach Auschwitz gehen.

Doch Luise Brands Name wird säuberlich mit Lineal von der Liste gestrichen. In einer Notiz an die Waffen-SS im Konzentrationslager Buchenwald schildert der Kommandoführer mit nüchternen Worten den Albtraum, den die junge Frau am 28. August 1944 durchlebt: „die Brand musste kurz vor Abgang des Transportes zurückgehalten werden, da sie im Waggon eine Tochter gebar. Sie wurde danach mit dem neugeborenen Kind in den Krankenbau geschafft.“ 

Über das weitere Schicksal von Luise Brand ist nichts bekannt. Beim ITS finden sich keine weiteren Dokumente mit ihrem Namen. Ihre kleine, namenlose Tochter stirbt am 31.8.1944.