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Notfallübung: Wie kommen die ITS-Akten ins Kühlhaus?

„Egal wie gut die Sicherheitsvorkehrungen sind, Unglücke im Archiv lassen sich nie ganz ausschließen. Umso wichtiger ist es, sich so gut es geht auf mögliche Katastrophen vorzubereiten“, betont Christian Groh, Archivleiter des International Tracing Service (ITS). Um bei einem Notfall im Archiv schnell und angemessen reagieren zu können, existiert im ITS ein detaillierter Notfallplan. Zu den Präventionsmaßnahmen gehört die regelmäßige Schulung der Mitarbeiter*innen. Im Oktober führte die Restauratorin Jana Moczarski von der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt mit 20 Mitarbeiter*innen des ITS ein Notfalltraining durch. Auch Gäste vom „Notfallverbund Kassel und Nordhessen“ beteiligten sich. Seit 2016 ist der ITS mit elf weiteren kulturellen Institutionen in diesem Verbund zusammengeschlossen, um sich im Krisenfall gegenseitig unterstützen zu können. 

„Sicherheit geht vor!“ unterstreicht Jana Moczarski. Egal, wie wertvoll und einzigartig die Dokumente sind – kein Mensch sollte sein Leben zu ihrer Rettung aufs Spiel setzen. Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn das Feuer gelöscht oder der Wassereinbruch gestoppt ist. Aber dann muss es schnell gehen: Je nach Witterung beginnt nasses Papier nach 36 bis 48 Stunden zu schimmeln. Und Schimmel zu entfernen, ist mühsam und teuer. 

Doch wie trocknet man 26 laufende Papierkilometer, die von Löschwasser oder nach einem Wassereinbruch durchweicht sind? Die Antwort ist verblüffend: Wenn man nasse Papiere und Bücher bei mindestens -20° C einfriert, können sie danach schonend gefriergetrocknet und damit relativ einfach gerettet werden. Zum Notfallplan des ITS gehört daher auch der Vertrag mit einem Kühlhaus in der Region.

Die Vorbereitung zur Gefriertrocknung einmal praktisch zu üben, war Teil des Workshops. Selbstverständlich wurden dafür keine Originaldokumente verwendet. Die Handhabung des tropfnassen Papiers, das doppelt so schwer und um ein Vielfaches empfindlicher als in trockenem Zustand war, erwies sich als Herausforderung für die Kursteilnehmer*innen. Aufgequollene Bücher wurden mit Mullbinden stabilisiert und Karteikarten in handliche Päckchen gepackt. 

Franziska Schubert, die neue Notfallbeauftragte des ITS war zufrieden mit dem Workshop: „Unsere Aufgabe ist die Bewahrung der einzigartigen Dokumente über die Opfer des Nationalsozialismus. Wir hoffen sehr, dass unser Archiv nie von einem Notfall betroffen sein wird. Aber es ist ein gutes Gefühl, dass die Mitarbeiter*innen dann wissen, was zu tun ist.“