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Taschenuhr des Vaters abgeholt

Czesław Bilnik aus dem polnischen Zawiercie war in den Konzentrationslagern Groß-Rosen und Neuengamme inhaftiert. Kurz vor der Befreiung im Mai 1945 starb er bei dem tragischen Untergang der „Cap Arcona“ in der Lübecker Bucht. Seine Tochter Wanda życka-Bilnik hat 72 Jahre später mit Hilfe des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) im Online-Archiv des International Tracing Service (ITS) entdeckt, dass der ITS eine Taschenuhr ihres Vaters verwahrt. Im Juli 2017 hat sie die Uhr in Bad Arolsen abgeholt und die Geschichte ihrer Familie erzählt.

Czesław Bilnik (geb. 1909) war Mitglied der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa). Seine Frau Marianna und er versorgten verletzte Widerstandskämpfer in ihrem Haus. Als die Nazis Wandas Vater verhafteten, war sie vier Jahre alt. „Ich kann mich nur daran erinnern, dass meine Schwester und ich geweint und geschrien haben, als die fremden Männer in unsere Wohnung drangen und unseren Vater mitnahmen.“ Seit diesem Tag im Winter 1943 hat sie ihn nie wieder gesehen.

Die Nazis verschleppten den Feinmechaniker in das KZ Groß-Rosen und von dort aus weiter nach Neuengamme. „Hätte die Gestapo bemerkt, dass wir zu diesem Zeitpunkt einen verletzten Partisanen versteckten, hätten sie das ganze Haus angezündet“, erzählt Wanda. Doch sie fanden den jungen Mann nicht. Wanda bewundert bis heute den Mut ihrer Eltern. Sie selbst hat ihr Leben lang gekämpft: Als frühes und langjähriges Mitglied der Solidarność-Bewegung hat sie Verhöre ertragen und nach der Wende Ehrungen für ihr politisches Engagement erhalten.

Zwei Briefe konnte Czesław noch an seine Familie schreiben, bevor er starb. Diese hat Wanda zu ihrem Besuch mit nach Bad Arolsen gebracht: „Meine Mutter hat die Briefe gehütet wie eine Reliquie“, berichtet die fast 80-jährige. „Wir sind nach dem Nationalsozialismus von den Kommunisten weiter verfolgt worden. Man hat uns enteignet, ich musste meine Identität fälschen, um studieren zu können. Von meinem Vater ist sonst nichts geblieben.“ Die silberne Taschenuhr hat auch vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung für sie. Auf die Frage, was sie mit der Uhr vorhabe, antwortet Wanda Różycka-Bilnik entschlossen: „Ich werde sie nie wieder hergeben. Vielleicht nehme ich sie mit in mein Grab.“