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Zehn Jahre Archivöffnung

Am 28. November 2007 öffnete der International Tracing Service (ITS) sein fast 25 Jahre lang für die Öffentlichkeit geschlossenes Archiv erneut und endgültig für Forscher und Besucher. Eingeleitet wurde die Öffnung von vehementen internationalen Protesten aus Wissenschaft, Politik und auch von NS-Verfolgten, die den Zugang zu den wertvollen historischen Dokumenten forderten.

Die damalige Leitung des ITS, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), hatte sich mit Verweis auf den Daten- und Persönlichkeitsschutz lange gegen eine Archivöffnung gestellt. Ein weiterer Grund war die Sorge, dass der ITS von deutschen Unternehmen oder Behörden keine Dokumente mehr erhalten würde, wenn diese dann der Öffentlichkeit zugänglich wären. Vor allem aufgrund der ungelösten Zwangsarbeiterentschädigung war die Frage des Archivzugangs bis in die frühen 2000er Jahre auch von politischer Brisanz.

Die meisten der elf Mitgliedstaaten des Internationalen Ausschuss, des obersten Leitungsgremiums des ITS, befürworteten schließlich einen uneingeschränkten Zugang. Am 16. Mai 2006 fiel in einer Sitzung des Internationalen Ausschusses die Entscheidung: Das Mandat des ITS umfasste fortan auch Forschung und Bildung, alle Mitgliedstaaten durften digitale Kopien des Archivbestands anfordern.

Es dauerte noch rund 18 Monate, bis neue internationale Verträge ratifiziert wurden. In Deutschland fertigte der damalige Bundespräsident, Horst Köhler, ein Gesetz zur Änderung der Bonner Verträge von 1955 aus, die bis dahin die Aufgaben des ITS geregelt hatten. In der Zwischenzeit wurde beim ITS die erste Datenabgabe vorbereitet: Zunächst erhielten im August 2007 das United States Holocaust Memorial Museum in Washington und die Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Israel den damals digitalisierten Bestand. Bis heute bekommen alle Copy-Holder einmal jährlich ein Update mit neuen Digitalisaten.

Nach dem Abschluss der Ratifizierung versendete das IKRK am 28. November 2007 die Presseinfo, dass ab sofort das Archiv für Forschung und Interessierte geöffnet sei.