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„Es gibt noch Vieles, das ich nicht weiß“

Um mehr Informationen über das Schicksal seines Großvaters zu erhalten, machte sich Marco Moisello aus Italien mit seiner Frau Ende Januar 2018 auf den Weg zum International Tracing Service (ITS) nach Bad Arolsen. Die Nationalsozialisten hatten Francesco Moisello 1944 in seiner Heimatstadt Genua verhaftet. Er kam nicht zurück nach Hause.

„Es ist mir sehr wichtig herauszufinden, was mit meinem Großvater passiert ist“, erzählt sein Enkel. Marco Moisello zeigt ein kleines Dossier, in dem er alle Informationen zusammengetragen hat, die er bislang finden konnte. Darauf ist ein Bild seines Großvaters zu sehen. Der 1905 geborene Francesco Moisello hatte sich dem Widerstand angeschlossen, nachdem Genua 1944 in der Folge des Kriegseintritts Italiens auf alliierter Seite von den Deutschen besetzt worden war. Er unterstützte untergetauchte Widerstandkämpfer und Familien von Deportierten, indem er sie mit Essen und Geld versorgte. Im Juli 1944 geriet er in das Visier der Besatzer und wurde festgenommen. 

Ein Dokument aus dem Archiv des ITS benennt den 7. September 1944 als den Tag, an dem er im Konzentrationslager Flossenbürg registriert wurde, eingeliefert durch die Besatzungsbehörden in Verona. Noch im gleichen Monat, am 30. September, wurde er zur Zwangsarbeit in das Außenlager Hersbruck verschleppt - ein Lager mit geringer Überlebenschance. Die Häftlinge mussten dort im Schichtbetrieb für eine geplante Rüstungsfabrik ein System von Bergstollen anlegen. Durch die Schwerstarbeit und die furchtbaren Lebensbedingungen starben rund 4.000 Menschen, darunter Francesco Moisello. In den Listen der Toten von Hersbruck ist der 2. Dezember 1944 als sein Sterbedatum genannt.

Bei der Durchsicht der Originaldokumente war für Marco Moisello ein ganz besonderer Moment, als er die Effektenkarte aus dem Konzentrationslager Flossenbürg in den Händen hielt. Exakt aufgelistet sind die Kleidungsstücke, die sein Großvater bei der Einlieferung trug: eine Mütze, Jacke, Hose, Weste und ein paar Schuhe. Auf der Karte musste er die Abgabe dieser Dinge mit seiner Unterschrift bestätigen. Mehr als 70 Jahre danach sieht sein Enkel die leicht zittrige Schrift und ist stark berührt.

Auf dieser Effektenkarte steht auch, dass Francesco Moisello aus dem Durchgangslager Bozen nach Flossenbürg deportiert wurde. Die Zeit zwischen der Verhaftung und der Verschleppung nach Deutschland ist es, zu der Marco Moisello nun noch weiter forschen möchte. Bislang hat er nur Vermutungen, in welchen Lagern oder Gefängnissen sein Großvater festgehalten wurde. Es belastet ihn sehr, dass ihm jegliche Informationen über diese Zeit fehlen.

In seiner Suche nach den letzten fehlenden Puzzleteilen wird ihn der ITS unterstützen, zum Beispiel mit Adressen für weitere Anfragen oder über Partnerinstitutionen des ITS. „Es ist nicht einfach, in Italien Dokumente zu finden“, berichtet Marco Moisello, der bei seinem Besuch auch die Chance nutzte, selbst in den digitalisierten Dokumenten des ITS zu recherchieren.