a A

The Digital Humanities meet Public History

Wie können Gedenkinitiativen und lokale Erinnerungsgruppen von digitalen Methoden profitieren? Der International Tracing Service (ITS) veranstaltet am 26. Juni 2018 einen Themenabend zu den Chancen und Möglichkeiten neuer Medien für eine zeitgemäße Ansprache jüngerer Menschen. Als Referent*innen sind Manuel Burghardt (Universität Leipzig), Nina Hentschel (Berlin) und Stefan Bartsch (Berlin) eingeladen.

Apps, Internetseiten, Facebook, Twitter & Co beeinflussen heute mehr denn je den Alltag. Auch die Arbeit von Gedenkinitiativen und lokalen Erinnerungsgruppen kann von digitalen Methoden profitieren. Mit neuen Darstellungsformen können Erkenntnisse zu (lokalen) Geschichtsereignissen neue Personenkreise erreichen. Dass der Schritt hin zu digitalen Präsentationen von Forschungsergebnissen weder kompliziert noch kostspielig sein muss, zeigt Manuel Burghardt (Universität Leipzig) in seinem Vortrag Digital Humanities meet Public History – Chancen und Möglichkeiten digitaler Erinnerungsprojekte“. Auf Einladung des ITS stellt er Möglichkeiten und Programme vor, um ohne großen Aufwand selbst aktiv neue und digitale Wege zu gehen.

2017 wagte der ITS selbst ein digitales Experiment und nahm erstmals an einem Kultur-Hackathon teil. Dabei stellen Archive, Museen und andere Kulturinstitutionen Daten zur Verfügung, mit denen Programmierer, Webdesigner oder Experten für Augmented Reality neue und innovative Projekte gestalten. Zwei Projekte arbeiteten mit den vom ITS zur Verfügung gestellten Daten der Kartei der Reichsvereinigung der Juden, mit der auf Befehl der Gestapo alle deutschen Jüdinnen und Juden erfasst wurden. Die ca. 32.000 Karten samt Metadaten wurden von den Kreativen zu einer App auf den Spuren von jüdischen Schulkindern sowie zu einer umfassenden Datenbank zum jüdischen Leben in Berlin umgearbeitet. Die App, die wie ein Stadtrundgang in Form eines Whatsapp-Chat funktioniert, gewann den Jury-Preis „Out of Competition“ für kulturell besonders wertvolle Leistungen. Nina Hentschel (Team Marbles of Remembrance) und Stefan Bartsch (Team Visualisierung jüdischen Lebens) stellen beide Projekte im Anschluss an den Vortrag von Manuel Burghardt vor.

Auf einen Blick

Themenabend: „Digital Humanities meet Public History"
Zeit: Dienstag, 26. Juni 2018, 18.30 Uhr
Ort: Cafeteria des ITS, Große Allee 5-9, 34454 Bad Arolsen
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig


Zu den Referenten:

Manuel Burghardt ist Juniorprofessor für Computational Humanities an der Universität Leipzig. Zuvor war er als Leiter der Arbeitsgruppe Digital Humanities am Lehrstuhl für Medieninformatik an der Universität Regensburg tätig. Er beschäftigt sich mit dem Einsatz digitaler Tools und computerbasierter Verfahren im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u.a. die computergestützte Analyse von Literatur, Film und Musik sowie der Einsatz digitaler Tools im GLAM-Sektor (Galleries, Libraries, Archives, Museums).

Stefan Bartsch ist Programmierer und immer wieder fasziniert von der Geschichte seiner Heimatstadt Berlin. Mit einem Projekt im Rahmen des Coding da Vinci-Hackathons 2017 ergab sich für ihn die Möglichkeiten, mit offenen Datensätzen (u.a. dem Jüdischen Adressbuch von 1931, dem Minderheitenzensus von 1939 sowie der Kartei der Reichsvereinigung der Juden) eine Homepage zu entwickeln, die veranschaulicht, wo jüdische Menschen in Berlin lebten und was mit ihnen während des Nationalsozialismus passierte.

Nina Hentschel hat Architektur und Weltkulturerbe Management studiert. Als Nicht-Programmiererin ist sie durch die Teilnahme am Hackathon Coding da Vinci 2017 in die Welt der digitalen Interpretation kulturellen Erbes eingetaucht und hat zusammen mit ihrem Team den Chatbot „Marbles of Remembrance – Murmeln der Erinnerung“ entwickelt. Auf Basis der Kartei der Reichsvereinigung der Juden führt dieser durch Berlin und erzählt die Geschichten jüdischer Kinder zur Zeit des Nationalsozialismus.