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Abschiedsempfang des IKRK

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat sich heute mit einem Empfang aus der Leitung des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen verabschiedet. „Das IKRK blickt mit Stolz und Zufriedenheit auf die Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland und den Mitgliedsstaaten des Internationalen Ausschusses zurück. Der ITS ist heute eine bekannte und anerkannte Institution“, sagte IKRK-Präsident Peter Maurer. Vertreter der Bundesregierung dankten dem IKRK für sein langjähriges Engagement, das mit der Unterzeichnung der Bonner Verträge im Juni 1955 begonnen hatte.

Die Reden anlässlich des Empfangs zum <media 972 - - "TEXT, IKRK Abschied, IKRK_Abschied.pdf, 3.0 MB">Download (pdf ca. 3MB)</media>

„Wir wissen um unsere Verantwortung, die aus der schrecklichen Vergangenheit erwächst“, äußerte Bernd Neumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, in einem Grußwort. „Der ITS hat an deren Aufarbeitung einen nicht wegzudenkenden Anteil. Diese Arbeit gilt es zu würdigen, fortzusetzen und zu stärken.“ Mit dem Rückzug des IKRK aus der Administration des ITS wird die Ende 2007 erfolgte Öffnung des Archivs für die Forschung nun auch organisatorisch nachvollzogen. Aus der Öffnung hatten sich zusätzliche Aufgaben ergeben, insbesondere die archivarische Erschließung der Bestände sowie die Forschungs- und Bildungsarbeit. „Diese zählen nicht zu den Aufgaben, bei denen unsere humanitäre Organisation eine besondere Expertise aufweist“, erläuterte IKRK-Delegierter und ITS-Direktor Jean-Luc Blondel. „Wir freuen uns, den ITS mit seinen vielseitigen Aufgaben nun in neue Hände legen zu können. Wir werden dem ITS verbunden bleiben.“

Das IKRK wird Ständiger Beobachter im Internationalen Ausschuss aus elf Mitgliedsstaaten, der die Richtlinien für die Tätigkeit des ITS festlegt. Zudem unterstützt das Netzwerk der Rot-Kreuz-Gesellschaften den ITS auch weiterhin bei der Suche nach Familienangehörigen. Am Hauptsitz des IKRK in Genf soll eine Verbindungsstelle eingerichtet werden, das bei Bedarf zwischen dem ITS und nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften in Fragen der Familienzusammenführung vermitteln kann. „Die Suche nach Vermissten, oder wenigstens die Klärung ihrer Schicksale, und die Familienzusammenführungen waren - und sind - wesentliche Bestandteile des Wiederaufbaus einer Gesellschaft. Wird dieser Aspekt außer Acht gelassen, fehlt ein ganzer Teil des sozialen und psychologischen Wiederaufbaus, was den Prozess der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Aussöhnung beeinträchtigt. Dies ist der Kern der Idee des ITS“, betonte Maurer.

Der Internationale Ausschuss hatte Ende 2011 im Rahmen von zwei Abkommen die künftigen Aufgaben des ITS und die Managementstruktur neu geregelt. Institutioneller Partner des ITS wird ab Januar 2013 das Bundesarchiv. Als Direktorin kommt Professor Rebecca Boehling, die vom Ausschuss direkt ernannt wurde. Die US-Amerikanerin war zuletzt Direktorin des Dresher Center for the Humanities an der University of Maryland Baltimore County (UMBC). Boehling gilt als Expertin in der Holocaust-Forschung sowie der Geschichte des Zweiten Weltkrieges.

Über den Internationalen Suchdienst

Der Internationale Suchdienst (ITS/International Tracing Service) in Bad Arolsen ist ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung. Das Archiv umfasst etwa 30 Millionen Dokumente zur Inhaftierung in Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen, zur Zwangsarbeit und zu Displaced Persons. Die Richtlinien für die Arbeit des ITS legt ein Internationaler Ausschuss aus elf Mitgliedsstaaten fest (Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Großbritannien, USA). Bis Ende 2012 wird der ITS vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geleitet. Ab 2013 wird das Bundesarchiv neuer institutioneller Partner.