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Ausstellung „Der Lebensborn e.V.“

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat heute die Ausstellung „Der Lebensborn e.V.“ eröffnet, die bis zum 2. Juli 2010 präsentiert wird. Die Ausstellung - bestehend aus 13 Tafeln - wurde vom Kreisjugendring Ebersberg zusammengestellt und verdeutlicht die rassistischen Ziele des von der SS getragenen Vereins. Ziel des „Lebensborn“ war die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder. „Zeitgleich wurden andere Mütter und Kinder – Behinderte, Juden, Sinti und Roma - als ‚lebensunwert’ ausgesondert und massenweise ermordet“, so ITS-Historikerin Dr. Susanne Urban. „Nicht zuletzt dieser grauenhafte Gegensatz hat uns dazu veranlasst, diese Ausstellung zu zeigen.“

Zahllose Mythen und Legenden ranken sich um den Verein "Lebensborn" - über Edelbordelle der SS bis hin zur Zuchtanstalt. Mit ihnen räumt die Ausstellung auf und erzählt stattdessen sachlich die Geschichte des Vereins, berichtet von den Müttern und Kindern und zeigt die Pläne der SS für die Nachkriegszeit auf. Zunächst sollte der Verein den Kinderreichtum von SS-Angehörigen fördern sowie die Zahl der Abtreibungen durch anonyme Entbindungen und die Vermittlung der Kinder zur Adoption senken. „Was den ‚Lebensborn’ dabei von Wohlfahrtseinrichtungen der Weimarer Republik wesentlich unterschied, waren die rassistischen Auslese-Kriterien“, erläuterte Urban.

Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges übernahm der „Lebensborn“ auch die Betreuung unehelicher Kinder deutscher Wehrmachtssoldaten in den besetzten Gebieten. Zudem wurden blonde, blauäugige Kinder verschleppt, die dem rassistischen Ideal der NS-Ideologen entsprachen. Unter Verschleierung ihrer Identität wurden die Kinder in Heimen im Deutschen Reich untergebracht und nach der Eindeutschung zur Adoption freigegeben. Bis 1944 errichtete die SS insgesamt 20 Heime in Deutschland und den besetzten Gebieten. Etwa 8000 Kinder kamen in den deutschen Heimen zur Welt.

Der ITS verfügt über einen Großteil der überlieferten Originaldokumente des Vereins, wie etwa die von Heinrich Himmler signierte Vereinssatzung, Statistiken sowie Korrespondenz zu den einzelnen Heimen, zur Verpflegung, medizinischen Betreuung und Eindeutschung von Kindern in besetzten Gebieten. Zudem sind die Schicksale vieler entführter Kinder aus den besetzten Gebieten belegt. Die Alliierten bemühten sich nach dem Krieg intensiv darum, den Opfern ihre wahre Identität zurückzugeben – häufig ohne Erfolg.

Die Darstellung der Aktivitäten des „Lebensborn“ wurde vom Kreisjugendring Ebersberg als Wanderausstellung konzipiert und war im Mai 2009 erstmals im heutigen Betreuungszentrum Steinhöring zu sehen, auf dessen Gelände die Nationalsozialisten 1936 das erste Lebensbornheim für Mütter errichtet hatten. Zur Ausstellung lässt sich für drei Euro eine Begleitbroschüre erwerben, in der sämtliche Texte der Tafeln abgedruckt sind, ergänzt durch zwei Erfahrungsberichte. Die Ausstellung wird bis einschließlich 2. Juli 2010 jeweils Mo – Do von 9 bis 17 Uhr und Fr von 9 bis 13 Uhr beim Internationalen Suchdienst zu sehen sein.