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Ausstellung „Karl Plagge – Ein Gerechter unter den Völkern“

Der Internationale Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen hat heute die Ausstellung „Karl Plagge (1897-1957) - Ein Gerechter unter den Völkern“ eröffnet. Sie wird in der Zeit vom 26. März bis 7. Mai 2010 beim ITS zu sehen sein. Die von der Darmstädter Geschichtswerkstatt erarbeitete Ausstellung erinnert an die Rettung von etwa 250 Juden durch den deutschen Wehrmachtsoffizier Karl Plagge. „Oberst Plagge hat nicht ohnmächtig zugeschaut. Er hat sich entschieden, etwas gegen den Wahnsinn zu unternehmen und Menschenleben zu retten“, sagte ITS-Direktor Jean-Luc Blondel anlässlich der Eröffnung. „Die Ausstellung ist ein Teil der Erinnerungsarbeit und zugleich eine Aufforderung, nicht nachzulassen im Einsatz für die Überlebenden.“

Auf insgesamt zwölf Schautafeln werden der Lebensweg von Karl Plagge, seine Rettungsversuche und seine späte Ehrung wiedergegeben. Als Leiter des Heereskraftfahrparks (HKP) 562 Ost im litauischen Wilna (Vilnius) gelang es Plagge, zwischen 1941 und 1944 jüdische Zwangsarbeiter vor dem sicheren Tod in einem deutschen Vernichtungslager zu bewahren. Er setzte die Errichtung eines eigenständigen HKP-Arbeitslagers durch und sorgte in seinem Verantwortungsbereich für eine ansatzweise menschenwürdige Behandlung der Zwangsarbeiter. Jüdische Familien konnten zusammen bleiben, weil sie „kriegswichtige“ Arbeit leisteten.

„Die Leistungen der Helfer und Retter sind Modelle für Zivilcourage und gelebte humanistische Überzeugungen. Sie beweisen unwiederbringlich, dass Hilfe entgegen aller Nachkriegsmythen möglich war“, sagte Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung beim ITS. „Plagge war anfangs durchaus Nutznießer des Nationalsozialismus und auch Mittäter gewesen, doch dann geschah, vergleichbar wie bei Oskar Schindler, eine Wendung in der Haltung.“ Zwei Wochen vor der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee warnte Plagge die Zwangsarbeiter vor der Übernahme des Lagers durch ein SS-Räumkommando. Ungefähr 250 Juden konnten sich bis zum Eintreffen der Roten Armee verstecken. Im April 2005 wurde Plagge, der 1957 in Darmstadt verstorben ist, die Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ durch die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zuteil.

Die Ausstellung beleuchtet neben Plagges Leben auch den historischen Hintergrund. So erfährt der Besucher, wie sich das jüdische Leben in Litauen vor dem Zweiten Weltkrieg gestaltete, wie die Verfolgung nach der Besetzung des Landes durch die deutschen Truppen einsetzte und wie sich vereinzelt der jüdische Widerstand organisierte. Von Seiten des Internationalen Suchdienstes wird die Ausstellung ergänzt durch zusätzliche Infotafeln mit Dokumenten aus dem Archiv sowie Lesehefte zu einzelnen Schicksalen.

An der Eröffnung der Ausstellung beim ITS nahmen unter anderem die Initiatoren aus Darmstadt Christoph Jetter, Hannelore Skroblies und Lennart Bartelheimer, der Landtagsabgeordnete a.D. Dieter Fischer sowie Stadtrat Helmut Hausmann teil. Musikalisch wurde die Veranstaltung begleitet durch Günter Fuhr und Berthold Mayrhofer mit Liedern aus Ghettos.

Die Ausstellung wird bis einschließlich 7. Mai 2010 jeweils Mo – Do von 9 bis 17 Uhr und Fr von 9 bis 13 Uhr zu sehen sein. Im Zusammenhang mit der Ausstellung lädt der ITS auch zu zwei Vorträgen ein:

Vortrag Dr. Susanne Urban, Bereichsleiterin Forschung ITS„Gerechte unter den Völkern – Menschlichkeit in Zeiten des Holocaust“
am Donnerstag, 8. April 2010, um 17.00 Uhr

Vortrag Sebastian Schönemann, Historiker ITS
„Einsatzgruppe A: Der ‚Weltanschauungskrieg’ in Litauen, Lettland und Estland“
am Donnerstag, 6. Mai 2010, um 17.00 Uhr