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Ausstellung zu Displaced Persons in Korbach und Kassel

Eine Ausstellung im Gebäude des Internationalen Suchdienstes (ITS/International Tracing Service) Bad Arolsen zeigt bis zum 1. Dezember 2009 die Chronik von zwei Lagern für Displaced Persons (DPs) in Korbach und Kassel-Hasenhecke. Unter dem Titel „Überlebt, Befreit, Heimatlos – Displaced Persons in unserer Region“ präsentieren Schüler des Christian Rauch Gymnasiums Bad Arolsen die Ergebnisse einer Projektwoche im Archiv des ITS. „Eine interessante Spurensuche“, sagte der 20-jährige Gymnasiast Hendrik Fox. „Wir fühlten uns fast, als seien wir ein Teil der Geschichte.“

Im Rahmen der Projektwoche hatten die zwölf jungen Forscher aus dem Grundkurs Geschichte die Dokumente zu den beiden Lagern studiert. Hier waren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Opfer von Konzentrationslagern und Zwangsarbeit untergebracht worden. Die Schüler zeichneten die Lebenswege der Menschen nach, die ihre Heimat und nicht selten auch ihre Familie verloren hatten. „Mir war auf den ersten Blick nicht bewusst, welch erschütterndes Schicksal sich hinter den einzelnen Namen auf den Listen der Lager verbirgt“, so Fox.

Ziel der Projektwoche sei es gewesen, die Verfolgung über eine Annäherung an die Lebensläufe der Betroffenen vor, während und nach der NS-Zeit zu erarbeiten, erläuterte Geschichtslehrer Dr. Andreas Neuwöhner. „Der ITS ist dafür die ideale Institution. Hier sind die Schüler direkt dran an den Menschen und nehmen nicht nur in der Theorie historische Fakten auf.“ Mit den Orten Kassel und Korbach hätten sie einen unmittelbaren Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt von heute. Auf dem Programm stand neben dem Suchdienst auch eine Recherche im Stadtarchiv von Kassel. Neben der Ausstellung planen die Schüler eine Teilnahme an der Gedenkfeier für die Pogromnacht des 9. November 1938 auf dem jüdischen Friedhof von Bad Arolsen.

Unterstützt und begleitet wurden die Gymnasiasten durch das Team von ITS-Historikerin Dr. Susanne Urban. „Wir streben eine langfristige Kooperation mit den Schulen der Umgebung an“, sagte die Mitarbeiterin des Suchdienstes. Durch den Blick auf das Schicksal einzelner Opfer werde die Dimension des NS-Terrors und des Holocaust greifbarer. „Auch heute noch werden Menschen verfolgt und vertrieben. Wenn die Jugendlichen dazu jetzt Stellung nehmen, ist das Vermächtnis der Überlebenden bei ihnen in guten Händen.“

Daten zur Ausstellung

Die Ausstellung „Überlebt, Befreit, Heimatlos – Displaced Persons (DPs) in unserer Region“ ist bis zum 1. Dezember 2009 zu sehen im Gebäude des Internationalen Suchdienstes (ITS), Große Allee 5-9, Bad Arolsen. Sie ist kostenlos und von Montag bis Donnerstag 8-17 Uhr, am Freitag von 8-13 Uhr geöffnet.